Kein Zündstoff

- Jeden Tag dasselbe. Das Morgenradio beim Föhnen im Bad, dann der unverträgliche Lärm auf dem Weg zur Arbeit, die Verteilung der Aufgaben, die Kollegen, Feilen, Schweißen, Mittagspause, die Reibereien, Flexen, Schleifen, Feierabend. Ein gleichförmiger Rhythmus, langweilige Wiederholung, aber doch sinnstiftend und verlässlich in ihrem täglichen Ablauf.

Es liegt nahe, das Thema Arbeit von einem Tänzer und Choreographen in eine Akrobatik des Alltags verwandeln zu lassen. Andreas Denk vom niederländischen Hans Hof Ensemble hat als Regisseur diese Aufgabe für die Münchner Schauburg übernommen und mit Schauspielern des Ensembles das Bewegungstheater "Benzin - Zündstoff aus der Arbeitswelt" auf Tanz-ungeübte Beine gestellt. Arbeit als Zukunftsperspektive, Arbeitslosigkeit als ihr Verlust - selbstverständlich ein Thema, das Jugendliche bewegt. Das in dieser zwar bewegungsreichen, aber spannungsarmen Form leider so gar nicht zündet.

Eine Autowerkstatt. Zwischen Reifen und Felgen, Werkzeugen und Motoren wirbeln drei Blaumänner und ihre rotgewandete Meisterin über die Bühne, dem Rhythmus ihres Chefs gehorchend oder widerstrebend. Der Schlagzeuger Yogo Pausch, trommelnd auf allem, was Klang erzeugt, gibt den Kleinunternehmer mit grauem Kittel überm schönen Anzug. Erstaunlich, wie gut die Schauspieler sich die Tanzelemente zu eigen gemacht haben. Verzeihlich, dass sie sie nicht in Vollendung beherrschen wie Tänzer. Aber ganz und gar unverständlich, wie wenig in diesen 70 Minuten erzählt wird.

Auf Worte wird weitgehend verzichtet, auf die Vielfalt von amüsanten, erhellenden oder einfach nur unterhaltenden Alltagsgeschichten, die hier körpersprachlich möglich wären, aber auch. Da wird angedeutet, dass es Faule und Fleißige gibt, Hierarchien, Generationenkonflikte, sexuelle Belästigung. Und Klassenkampf: Ein undeutlich artikulierter Redeschwall in Richtung Karl Marx' "Kapital" ergießt sich mehrfach. Am Ende macht der Chef die Werkstatt dicht. Inhaltlich ist das etwas dürftig, im Ausdruck zu oberflächlich. Für Tanztheater interessiert man Jugendliche so eher nicht. Und für eine verantwortungsvolle Zukunftsplanung auch nicht. Das Gefühl der Perspektiv- und Ratlosigkeit hat sich einmal mehr auch im Theater durchgesetzt.

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