Das bunte Programm des „7. Festivals für neue Dramatik“

Keine Adabei-Bühne

München - „Verfallen, verlieren, verraten“ – richtig optimistisch, gar vertrauensbildend in Krisenzeiten, klingen die Begriffe nicht, mit denen das „7. Festival für neue Dramatik“ sein Programm bewirbt.

Nach dem Erlebnis des ersten Abends möchte man die Liste dieser ver-Wörter um „verlocken, verführen, verzücken“ ergänzen, denn all dieses tut das Münchner Theater Halle 7 mit seinem anarchischen, spielfreudigen Festival. Seinen Ursprung hatte es im „Nachtfoyer“, einem Forum, auf dem Künstler ab 2003 ihre Produktionen vorstellten, die unabhängig von den Premierenstaffeln der Halle 7 entstanden. 2005 ging dann das erste „Festival für neue Dramatik“ über die Bühne und findet seither mindestens einmal im Jahr statt. Nun könnte man das kleine, freie Theater in Anbetracht der vielen Autorentage und Stückemärkte für einen avantgardistischen Adabei halten. Doch von diesem Verdacht ist die Halle 7 schon deshalb befreit, weil sie seit ihrer Gründung 2001 ausschließlich Stücke der Gegenwartsdramatik aufführt und dabei schon viele schöne Entdeckungen gemacht hat.

Ein eigenes Festival ist die konsequente Fortsetzung der täglichen Arbeit und gewährt Einblick in die Dramen-Werkstatt. Noch nicht oder an großen Häusern selten gespielte Stücke haben hier eine Chance und können auf ihre Wirkung getestet werden. Und weil immer wieder auch Münchner Autoren und Regisseure mit Stückentwürfen zum Zuge kommen, leistet das Festival in der hiesigen Szene durchaus ein bisschen Theater-Entwicklungshilfe.

Wie alles, was Erfolg hat, expandiert auch das „Festival für neue Dramatik“ und hat diesmal zwölf Mini-Inszenierungen an einem Abend zu bieten, verteilt auf seine vier Spielstätten auf dem Gelände der Kultfabrik. Die ersten drei in der „whiteBox“ – eine Clownsszene von Bertolt Brecht, eine freie Choreographie von Diana Thielen und eine Art Installation in der Wäschekammer von Tara Shamskho – wirken noch ein wenig unbeholfen, aber auch unbefangen und dürfen mit ihrer würzigen Kürze als Appetithäppchen durchgehen. Auf dem Weg durch die Kultfabrik-Nacht, zwischen schummriger Theaterbar, darkBox, puffBox und securityBox, müssen sich die Zuschauer entscheiden, denn von nun an werden von neun Stücken immer drei gleichzeitig gespielt. Die Tatsache allerdings, dass die drei hier ausgewählten alle Glückstreffer waren, lässt auf ein allgemein hohes Niveau schließen.

Aus Sibylle Bergs nicht ganz schlüssig konstruierter, schwarzer Komödie „Hund, Frau, Mann“ machte Regisseurin Silvia Andersen ein gut getimtes Kabinettstück der nicht funktionierenden Paarbeziehung. Die Uraufführung von Christine Velans „Free Speed“ ist eine amüsante Studie über die Perversion menschlicher Konsumwünsche. Thomas Haaf hat die Geschichte vom sprechenden Messe-Auto und der markenkonform säuselnden Aushilfsjobberin sehr schön zugespitzt. Und in Jan Neumanns Familiensaga „Kredit“ schäumt die Spielfreude vielleicht ein wenig zu stark. Aber Regisseur Torsten Bischof entlockt Ensemble und Stück auch zarte, vielfarbig schillernde Momente.
Das Beste an dem ganzen Spektakel: Jeder kann sich hier seine eigene Entdeckungsreise durch die neue Dramatik zusammenstellen und von den Stücken verlocken, verführen, verzücken lassen.

von Christine Diller

Weitere Vorstellungen

7. und 8. März, 19 Uhr;
Telefon: 089/53 29 78 29.

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