Keine Angst vor dem Fall X

- "Noch keine Details" könne er über seine Konzertplanungen mitteilen. Doch Wouter Hoekstra, mutmaßlicher neuer Intendant der Münchner Philharmoniker, möchte das Orchester international bekannter machen. Tourneen seien notwendig, vor allem, "weil das auch Geld bringt". Und CD-Aufnahmen? "Da müssen wir schauen, ob wir etwas entwickeln können."

<P>Christian Thielemann, ab Herbst Generalmusikdirektor, habe einen Vertrag mit der Deutschen Grammophon. Und die Schallplattenfirmen, so gab Hoekstra zu bedenken, bestimmten schließlich, mit welchem Orchester ihr Star vor die Mikrofone darf.</P><P>Passieren wird nun nicht mehr viel. Der Stadtrat hat sich dafür ausgesprochen, in Verhandlungen mit Hoekstra einzutreten (wir berichteten), der 57-Jährige hat sich mittlerweile auch Orchestervertretern präsentiert. Und dort ist man von dem Niederländer und seiner Kompetenz beeindruckt - obwohl der Vorstand zunächst erbost reagiert hatte. Kulturreferentin Lydia Hartl, so die Kritik, habe Hoekstras Namen "vorzeitig" und ohne Absprache mit den Philharmonikern bekannt gemacht. Aber die dunklen Wolken sind verflogen, ein Vertrag mit Hoekstra sollte nach der Osterpause unter Dach und Fach sein. Und klar ist auch: Die Stadt will wieder einen Intendanten mit künstlerischer Kompetenz, keinen Verwaltungsmenschen als Zuarbeiter für den musikalischen Chef.<BR><BR>"In der Branche werden Riesenhonorare verlangt."<BR>Wouter Hoekstra</P><P>Die CSU-Fraktion freilich meldet Bedenken an. Sie forderte - vergeblich -, der Stadt ein Sonderkündigungsrecht für den Fall einzuräumen, wenn Thielemann die Philharmoniker vorzeitig verlassen sollte. Denn auch dem Dirigenten wurde eine solche Extra-Klausel zugebilligt, sollten die Planstellen des Orchesters unter 120 sinken. Die Kulturreferentin ist anderer Meinung als die CSU: "Wenn der unwahrscheinliche Fall X eintritt, ist wichtig, dass wir einen guten und starken Intendanten haben." Und Angst davor, ein solcher Intendant könne mit dem eigenwilligen Thielemann aneinander geraten, habe sie auch nicht. "Die können sich gegenseitig kreativ hochschaukeln", wünscht sich Hartl. Angestrebt wird eine Vereinbarung mit siebenjähriger Laufzeit, so dass die Verträge von Hoekstra und Thielemann parallel geschaltet wären.<BR><BR>Wouter Hoekstra, noch Planungs- und Operationsleiter beim Concertgebouw-Orchester Amsterdam, kennt Christian Thielemann seit 1999. "Ich habe ihn nach Amsterdam geholt. Er hat wunderbare Konzerte dirigiert. Und nun musste er wegen seiner Münchner Verpflichtungen Konzerte beim Concertgebouw absagen, das reißt dort natürlich tiefe Löcher." Der Abschied von Amsterdam werde ihm nicht leicht fallen, sagte Hoekstra, der seit elf Jahren dort tätig ist. Zuvor war er Manager des Philharmonischen Orchesters Rotterdam und wechselte dann als Künstler- und Repertoire-Direktor zu den Plattenfirmen Philips und Polygram.<BR><BR>Lydia Hartl legt Wert auf die Feststellung, Hoekstra sei der Wunschkandidat von ihr und Thielemann gewesen. Schon lange sei klar gewesen, dass Noch-Intendant Bernd Gellermann die Philharmoniker verlasse. Er habe sich ausbedungen, sein Vertragsverhältnis zu beenden, wenn James Levine das Amt des Chefdirigenten abgebe.<BR><BR>Wouter Hoekstra wird den philharmonischen Spielplänen erst in seiner dritten Saison, also 2006/ 07 seinen Stempel aufdrücken können. Die Spielzeit 2004/ 05 wurde nämlich komplett, 05/ 06 teilweise von Gellermann geplant. Prominente Gastdirigenten sollen gewonnen werden, stellt sich Hoekstra vor, weiß aber auch: "Das ist nicht einfach, weil in der Branche Riesenhonorare verlangt werden." Doch Dienstherrin Lydia Hartl beruhigte: "Die Philharmoniker haben einen wirklich beachtlichen Etat für Gastkünstler."</P>

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