Keine Angst vor großen Frauen

- Als Maria Magdalena stand sie an Jesus Christ Superstars Seite. Vom Mädchen Rosemarie entwickelte sie sich zur Edelnutte Nitribitt. Und jetzt verwandelt sie sich sogar in Marilyn Monroe. Anna Montanaro, geboren in Gifhorn, hat keine Angst vor legendären Frauen, auch nicht vor Marilyn, dem Sex-Symbol der vergangenen 50 Jahre. "Ich habe kein Problem mit der Erotik", strahlt sie und wirkt dabei entwaffnend natürlich und ungezwungen.

Wenn sich am Samstagabend (19 Uhr) im Münchner Gärtnerplatztheater der Vorhang über der von David Stahl dirigierten, von Matthias Davids inszenierten Uraufführung von "Marilyn - das Musical" (Musik: Olivier Truan & David Klein) hebt, wird das Publikum entscheiden müssen, "ob ich langweilig bin, oder ob es doch prickelt". Anna Montanaro, der junge deutsche Musical-Star, wird die Marilyn kreieren: singend, tanzend, spielend.

"Natürlich bewege ich mich in dieser Rolle auf einem schmalen Grat", weiß die sympathische Künstlerin, "aber ich habe im Vorfeld viele intensive Gespräche mit dem Autor und dem Regisseur geführt. Sie wollen keine Marilyn-Kopie. Das hätte ich auch abgelehnt."

Georg Büttel, der Buch und Gesangstexte schrieb, schildert eine biografische Abfolge mit vielen privaten Begegnungen. "Mit ihren Männern natürlich, aber auch mit Ella Fitzgerald. Vielleicht wird mancher Monroe-Kenner doch noch die eine oder andere neue Geschichte erfahren", hofft Montanaro. Sie freut sich darauf, diese 20 spannenden Lebensjahre der Monroe, vom 16-jährigen Teenager bis zum zu frühen Tod mit nur 36 Jahren, auf der Bühne zu erleben.

Selbstverständlich hat Anna Montanaro alle Monroe-Filme angeschaut, sämtliche Biografien gelesen und auch die wenigen Fernseh-Interviews studiert: "Am interessantesten war ein Bericht von Truman Capote, der einen Nachmittag mit ihr beschreibt. Da zeigt sich eine ganz andere Frau als die auf der Leinwand. Sie hatte viele Seiten."

Verführt nicht gerade auch das Anschauen der Filme dann doch zu einem gewissen Kopieren? "Das ist eben die Gratwanderung. Natürlich streben wir schon eine Ähnlichkeit an. Das fängt bei den Haaren, bei der Maske an. Ich habe ihre Körperhaltung, ihre Mimik studiert und versuche auch in der Sprache, in ihre Richtung zu gehen."

Je mehr sich Anna Montanaro in den vergangenen Wochen und Monaten mit Marilyn beschäftigt hat, "desto mehr Mitleid habe ich mit dieser Frau", gesteht sie. Die Vermenschlichung der Ikone liegt ihr am Herzen: "Wenn ich das Publikum dazu bringe, dass es mitfühlt, dann habe ich eine ganze Menge erreicht."

Beruflich hat Anna Montanaro das auf alle Fälle schon: Sie gehört zu den raren deutschen Sängerinnen, die auf heißestem, internationalem Musical-Pflaster - im Londoner Westend und am Broadway - Erfolge feierten, als Velma Kelly in "Chicago". Angefangen aber hat ihre Karriere mit dem Kunstturnen: "Ich begann mit fünf Jahren und trainierte jeden Tag vier bis fünf Stunden in der Turnhalle." Allmählich entwickelte sich nebenher der Spaß am Tanzen, an Jazz-Dance und Steppen, und schließlich kamen auch noch Gesangsstunden an der Musikschule hinzu.

"Mit 16 war mir klar, dass ich keinen normalen Job machen wollte", und so schlug Anna Montanaro ihrem Papa, der eigentlich fürs Abitur plädierte, einen Handel vor: "Ich versuche nur die eine Aufnahmeprüfung an der Hamburger Stage School of Music, Dance and Drama. Wenn ich durchfalle, mache ich das Abitur." Anna bestand sie und meint heute eher bescheiden: "Ein bisschen Talent konnte man damals wohl schon sehen."

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