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Die neue Intendantin: Elisabeth Sobotka zeigt 2015 und 2016 Puccinis „Turandot“ auf der Seebühne.

Bregenzer Festspiele

Keine Experimente

München - Die Bregenzer Festspiele stehen vor dem Beginn einer neuen Ära. Ab 2015 amtiert dort Elisabeth Sobotka als Intendantin. Auf der Seebühne will sie Puccinis „Turandot“ herausbringen.

Ein Erfolgsrausch ist das, was die Bregenzer derzeit erleben. So gut wie Mozarts „Zauberflöte“ heuer hat sich noch nie eine Seebühnen-Inszenierung verkauft. Und auch für die Wiederaufnahme im kommenden Jahr sind schon derart viele Tickets nachgefragt, dass Zusatzaufführungen eingeschoben werden. Wenn also Elisabeth Sobotka 2015 bei den Festspielen antritt, dann übernimmt sie ein künstlerisch und vor allem finanziell kerngesundes Festival von Noch-Intendant David Pountney.

Der sorgt(e) immerhin dafür, dass mit dem Erlös der Seebühnen-Spektakel Ungewöhnliches im Festspielhaus finanziert werden konnte und kann. Doch das wird sich nun ändern, die Bregenzer sind vorsichtiger geworden – oder populistischer, wie mancher ätzen dürfte. Als erste Produktion bringt Elisabeth Sobotka draußen Puccinis „Turandot“ heraus. Regie und Bühnenbild stammen von Marco Arturo Marelli, Paolo Carignani, an der Bayerischen Staatsoper gern für Italienisches gebucht, dirigiert. Gleichzeitig gibt es im Festspielhaus keine Uraufführung oder Wiederentdeckung, sondern einen Repertoire-Hit: Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, inszeniert von Stefan Herheim und dirigiert von Johannes Debus. Sechs Vorstellungen sind dafür vorgesehen, mehr als sonst drinnen üblich.

„Die Bregenzer Festspiele sind klar auf Kurs“, sagt dazu Festival-Präsident Hans-Peter Metzler. „Evolution anstatt Revolution ist die richtige Strategie.“ Die künftige Intendantin formuliert es so: Fürs Festspielhaus sollten „anspruchsvolle Werke unabhängig von deren Bekanntheitsgrad inszeniert und entdeckt werden“. In diesem Zusammenhang kündigte sie „Opernprojekte der Sonderklasse“ an. Draußen, auf der Seebühne, solle zudem derZwei-Jahres-Rhythmus beibehalten werden.

Auch die Nachfolgeproduktion nach „Turandot“ verriet Sobotka. Es handelt sich um die – zusammen mit der „Zauberflöte“ – meistgespielte Oper, um Bizets „Carmen“. Diese Inszenierung von Kaspar Holten, dem Chef von Londons Covent Garden Opera, wird 2017 und 2018 zu erleben sein. Bereits 1991 und 1992 lief das Stück auf der Seebühne, allerdings in einer anderen Inszenierung.

Uraufführungen, neue musiktheatrale Formen, Experimente, dies alles wird nun auf die Werkstatt-Bühne verbannt. Die technischen und räumlichen Möglichkeiten bieten laut Elisabeth Sobotka einen größtmöglichen Spielraum für modernes Musiktheater. An diesem Aufführungsort finde es seinen idealen Rahmen.

Eine Neuerung: Unter der neuen Intendantin wird ein Opern-Studio für junge Sänger sowie ein Opern-Atelier eingerichtet, bei dem unter anderem Regisseure, Textdichter und Sänger außerhalb der gewohnten Festspielzeit gemeinsam Projekte entwickeln können.

Derzeit ist Elisabeth Sobotka, die 1965 in Wien geboren wurde, noch Intendantin der Grazer Oper. Sie hat zuvor unter anderem im Betriebsbüro der Salzburger Festspiele gearbeitet, als Chefdisponentin der Wiener Staatsoper und als Operndirektorin der Deutschen Staatsoper Berlin. Ihre Berufung setzte den Schlusspunkt unter einem längeren Bregenzer Zwist: David Pountneys Vertrag wurde zunächst nicht verlängert, dann doch. Als sein Nachfolger war eigentlich Roland Geyer, Intendant des Theaters an der Wien, vorgesehen. Der wollte ein neues Konzept für die Seebühne realisieren, was aber auf wenig Gegenliebe stieß – Geyer warf daraufhin das Handtuch.

Im kommenden Jahr, im letzten der Ära von David Pountney, gibt es neben der „Zauberflöte“ draußen eine Uraufführung im Festspielhaus: Der Komponist HK Gruber stellt dort seine Version von Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wienerwald“ vor. Gruber dirigiert selbst, die Inszenierung besorgt Michael Sturminger. Und wer in die „Zauberflöte“ will, sollte sich beeilen: Das Kartenkontingent verknappt sich täglich immer mehr.

Von Markus Thiel

Informationen zum Programm und zum Vorverkauf unter www.bregenzerfestspiele.com;

Telefon 0043/ 5574/ 4076.

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