Keine Floskeln der Folklore

- Berlin oder München, eine andere Alternative gibt es nicht, sofern man nicht viele Flugstunden in Kauf nehmen will. Wer der faszinierenden Verbindung von asiatischer Kultur und internationaler Moderne nachspüren will, der hat es schwer. In München ist das seit fünf Jahren möglich: Die Galerie Müller & Plate ist eine der zwei deutschen Adressen für zeitgenössische indische Kunst. Im Hinterhof, in einer ehemaligen Fabrik beziehungsweise in einem früheren Lagerraum verbergen sich kleine, feine Steinköpfe neben Reminiszenzen an die Gegenständlichkeit und an religionsschwere Gleichnisse in Bildern. Götterstatuen, Blumenfelder, dramatische Szenen und ein roter Faden, der West und Ost verknüpft. Daneben Abstraktion pur in lyrischen Farben.

<P>Die aktuelle indische Kunst kann man nicht unbedingt sofort von europäischer unterscheiden. Und doch "ist in den meisten Arbeiten etwas Indisches drin". Galerist Peter Müller versucht, etwas Undefinierbares auszusprechen. Es geht ihm um eine Kultur und Kunst, "die mit jedem internationalen Standard gleichzieht", und nicht um folkloristische Floskeln. Auffallend ist dennoch die indische Liebe zum traditionellen Tafelbild und eine Vorliebe für eine gewisse Figürlichkeit.<BR>Mit Prabhakar Kolte allerdings präsentiert die Galerie das Spiel mit Farbschichten, mit fensterähnlichen Flächen. Der ehemalige Dozent an der Kunstschule Bombay ist ein abstrakter Expressionist, der sehr schlicht mit Oberfläche und scheinbarer Tiefe experimentiert. Als tief religiöser Mensch will Kolte in der Formlosigkeit Sinn und Glauben an die Schöpfung verbildlichen.  Bezugspunkte: Wassily Kandinsky und Paul Klee.</P><P>Mit Kolte verwirklicht Müller sein neues Konzept, vier große Ausstellungen im Jahr mit teils namhaften Künstlern zu realisieren. Seit 1979 reist er mit seiner Frau Erika Plate regelmäßig nach Indien, aus der Privatsammlung (Beginn: 1989) wurde die Galerie, aus dem Elektroniker ein Kunstkenner, der sich ab diesem Jahr ausschließlich seinem Hobby widmet. Die enge Zusammenarbeit mit der ältesten Galerie Indiens, der Dhoomimal Gallery New Delhi, sorgt für erweiterte Kontakte. Bei der jährlichen Ausstellung der Ravi Jain Memorial Foundation, die international renommierte Künstler sowie junge Talente präsentiert, rekrutiert Müller ebenfalls Maler.</P><P>Primär sucht er eine internationale Ausrichtung, die in den 20er-Jahren mit der bengalischen Schule und ihrer Anlehnung an Picasso, Matisse und Braque in Kalkutta Fuß fasste. Aus der indischen Philosophie und der westlichen Abstraktion wurde ein eigener Stil. In Madras entstand später die südindische Schule, die "Progressive Artist Group" in Bombay. 1950 schließlich wurde in Delhi die Akademie gegründet, vier Jahre später die National Gallery of Modern Art. Seitdem arbeitet sich die indische Moderne mit Künstlern wie Bhupen Khakhar 1992 auf der documenta 9 oder Anish Kapoor auf der Biennale in Venedig sowie den Auktionen bei Sotheby's und Christie's in London und New York 1995 gen Westen vor. </P><P>Galerie Müller & Plate, Adelheidstraße 28. Tel. 089/ 27 21 477. www.modern-indian-art.de. Ausstellung Prabhakar Kolte: bis 2. Oktober, Dienstag bis Freitag 14.30-18.30 Uhr, Sa. 11-14 Uhr. Danach: S. G. Vasudev: 14.11.-14.12.<BR></P>

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