Keine Kekse

- "Film ist nicht nur Kulturgut, er ist auch Wirtschaftsgut." Früher hätte Bernd Neumann diesen Satz umgedreht. Aber das Amt eines Kulturstaatsministers ist eben etwas anderes als das eines filmpolitischen Sprechers, und in der Politik zählen nicht so sehr große Formeln, sondern kleine Akzentverschiebungen. Es war die erste öffentliche Rede des neuen Staatsministers zum Thema Film, und als Ort war das traditionelle "CSU-Filmgespräch" keine schlechte Wahl.

 Wenn es nach der CSU ginge, gäbe es Neumanns Amt überhaupt nicht, denn in Stoibers Staatskanzlei erkennt man allein in dessen Existenz bereits eine Einschränkung der Kulturhoheit der Länder. Insofern wagte sich Neumann mutig auf unsicheres Terrain. Inhaltlich blieb seine Rede vage. Nach ein paar Sticheleien gegen seine Vorgängerin Christina Weiss gab es höchst allgemeines Themenabhaken zur Lage des deutschen Films ("der Marktanteil ist zu stabilisieren"), zur Filmakademie und zum rückläufigen Kinobesuch.

Interessanter war die nachfolgende Podiumsdiskussion und ein kurzer Disput mit Helmut Dietl, der sich über die "arabische Qualität der Zerstrittenheit der deutschen Filmbranche" mokierte: "Warum gibt es bei uns eigentlich keinen ,Deutschlandeffekt’?", fragte Dietl in Anspielung auf die "Ländereffekte" der Filmförderungen der Länder und forderte einen Fonds, der ausschließlich Projekte in Deutschland unterstützt. Da rannte er bei Neumann weitgehend offene Türen ein - denn eine nationale Filmförderung, wie sie in nahezu allen anderen europäischen Ländern üblich ist, in Deutschland nur eng begrenzt, scheitert hier am Tabu der Kulturhoheit der Länder.

Dafür dass deren Vorzüge nicht in Vergessenheit gerieten, sorgte dann Medienminister Eberhard Sinner mit Lob auf den "Filmstandort Bayern" und die "solide Haushaltspolitik": "friendly fire", das Neumann Grenzen aufzeigen sollte, ohne ihn zu gefährden. Immerhin: Neumann, der zuvor zumindest mit seinen Vorgängern gemeinsam hatte, dass auch er etwas zu viel vom Geld und etwas zu wenig von der Kultur redet, bekam Gelegenheit für den schönen Satz: "Film ist etwas anderes als Bahlsen-Keks." Recht hat der Mann: Peanuts statt Kekse!

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