Keine Korrektur

- In den 214 Häusern des Marktes Murnau gab es um 1800 unter 1000 Einwohnern zehn namentlich bekannte Maler von Hinterglasbildern. Wie in den Staffelseeorten Uffing und Seehausen, wie in Oberammergau, Augsburg und Tirol sorgten Hausierer, die mit ihren Kraxen wochenlang über Land zogen, und rührige Verleger als Grossisten für den Verkauf bis in entlegene Orte und in die europäischen Zentren von Spanien bis nach Russland.

<P>Das kostengünstige weiße Bundglas wurde in der 1731 vom Kloster Ettal gegründeten Hütte von Aschau am Westrand des Murnauer Mooses produziert. Als Ettal und die vielen Kirchen der Umgebung ihren Bedarf an Fensterglas gedeckt hatten, bot sich seit 1760 mit der Hinterglasmalerei ein neues Absatzfeld.</P><P>In einer auf langwierige Weise wissenschaftlich erarbeiteten Ausstellung gibt das Murnauer Schlossmuseum jetzt Einblick in die fast 200-jährige Geschichte der Hinterglasmalerei Südbayerns und Tirols, mit einem Anhang von nicht katalogisierten Beispielen aus jüngster Zeit. Es geht hier nicht um die in großen Mengen hergestellten schlichteren, flächig und bunt gemalten Konturenbilder des 19. Jahrhunderts (sie inspirierten u. a. die Münter), sondern um die künstlerisch höchst anspruchsvollen und feinstens differenzierten Malereien nach druckgrafischen Vorlagen, mit denen berühmte Werke großer Künstler in kleineren Formaten und farbig verbreitet wurden.</P><P>Kraxenträger brachten<BR>die Bilder bis Spanien</P><P>Diese Malerei auf der Rückseite einer Glastafel ist weit komplizierter als die gängige Malerei auf Holz oder Leinwand. Der Aufbau eines Bildes wird in umgekehrter Reihenfolge vollzogen. Alle Details einer Charakterisierung, alle zeichnerischen Momente müssen zuerst gesetzt werden. Jeder Pinselstrich muss stimmen, nichts kann nachträglich korrigiert werden.</P><P>Der Rundgang beginnt bei den hochfeinen Murnauer Darstellungen der vier lateinischen Kirchenväter (nach J. G. Bergmüller) und der bestens nuancierten Allegorie "Der Sommer" (nach einem Stich von J. J. Haid). Mit Franz Xaver Eder (1757-1822), der hier am Schlosshof wohnte, kann bei einem "Mahl Christi und der Jünger in Emmaus" sogar eine Signatur nachgewiesen werden. Die Umsetzung einer schwarzweißen Vorlage Franz Heissigs in die Farbigkeit eines hl. Simon überzeugt neben vielen weiteren derartigen Beispielen, in denen der seitenverkehrte Stich bei der gemalten Wiedergabe wieder zur Konzeption des ursprünglichen Originals führt. </P><P>Von ebenfalls hervorragender Qualität sind ein Wallfahrtsgnadenbild und ein hl. Dominikus vom Vater der Murnauer Glasmalersippe Geiger, eine meisterhafte, wohl vom Uffinger Nemesius Schmid (1766-1842) gemalte "Opferung Isaaks", eine komplette Kreuzwegfolge von einem Mitglied der Seehausener Malerdynastie Gege sowie die Augsburger Beispiele, darunter ein "Josef mit dem Jesusknaben".</P><P>Bis 9. Juni, Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr, Katalog: 18,50 Euro. Tel. 08841/47 62 07.<BR><BR></P>

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