Keine Nazi-Nippes

- Nun also wird die Eröffnung der neuen Abteilung im Münchner Stadtmuseum - "Nationalsozialismus in München" - ein zweites Mal verschoben. Oberbürgermeister Christian Ude unternahm am vergangenen Donnerstag zusammen mit seiner Kulturreferentin Lydia Hartl einen Rundgang durch die allerdings noch nicht fertig gestellte Schau und entschied: So nicht; zu viele Devotionalien, zu geringe Objektivierung. Ein heikles Thema, gewiss. In einem Ende Mai geführten Gespräch mit unserer Zeitung sagte die Kuratorin der Ausstellung, Brigitte Schütz, sich der Problematik wohl bewusst, dazu: "Da gibt es das Dilemma der Faszination durch das Objekt." Doch gerade das will Ude, will das Kulturreferat aus gutem Grund verhindern. Warum aber erst so kurz vor der für Anfang August vorgesehenen Eröffnung?

<P>Lydia Hartl: "Ich habe mir im Herbst das Konzept vorlegen lassen, und ich muss sagen, es hatte mich einigermaßen schockiert. Zusammen mit einem Beirat aus Zeitgeschichtlern wurden die Kritikpunkte formuliert und eingearbeitet in die Konzeption." Jetzt aber habe man bei der gemeinsamen Vorbesichtigung sehen müssen, dass "die Kuratorin beratungsresistent" sei.</P><P></P><P>Hartl: "Wenn man diese Ausstellung rein museal angeht, Objekte wie etwa die sogenannten Allacher Nippes oder das Nazi-Design und die Nazi-Ästhetik so in die Schau mit einbezieht, dass sie nach wie vor wirken, dann muss das in der Weise geschehen, dass jegliche Missverständnisse dabei ausgeschlossen werden. Was die Bücherverbrennung, was die Ausstellung ,Entartete Kunst" bedeutet haben, das muss sichtbar werden. Das war aber hier nicht der Fall. Die Ausstellungsstücke müssen per Text entsprechend konterkariert und objektiviert werden."</P><P>Kuratorin Brigitte Schütz wird, so Hartl, damit nicht mehr betraut sein. "Es wird jemand Neues gefunden werden müssen, was natürlich neues Geld kostet." Aber: "Die Schau muss so aufbereitet sein, dass Menschen, die sich nicht auskennen in der Thematik, dass Schulklassen hier erfahren, was in München los war und wie es dazu gekommen ist. Diese Zielsetzung wurde von der Kuratorin nicht umgesetzt."</P><P>Stadtmuseums-Chef Wolfgang Till zeigt sich gegenüber dem vorläufigen Stopp durch den OB gelassen: "Diese Ausstellung war immer eine Hängepartie. Unser Wunsch war es, sie nur in voller Übereinstimmung mit der Stadtspitze zu realisieren. Davon geht die Ausstellung nicht kaputt, wenn wir sie verschieben und um einige heikle Exponate verkleinert erst im Spätherbst eröffnen. Ich habe mich absolut überzeugen lassen, dass die Schau im derzeitigen Zustand zu Missverständnissen führen kann. Es ist ja nichts, das nach drei Monaten wieder abgebaut wird, sondern hierbei handelt es sich um eine Dauerausstellung. Die muss einem längeren Zeitraum standhalten."</P><BR>SABINE DULTZ

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