Keine Quoten

- Die Richtung gab schon der Titel vor: Um "Märkte, Geld und Rechte" sollte es gehen beim 29. CSU-Filmgespräch _ da blieb für Kunst und Kultur kaum noch Platz, mochte Staatsminister Erwin Huber in seinem Eingangsstatement noch so sehr betonen, für seine Partei sei Film "Kultur- und Wirtschaftsgut in einem". Aber was folgt aus solchen schon tausendmal gehörten Formeln in der Praxis?

<P>Wenn Huber die Übermacht Hollywoods beklagt - 80 Prozent beträgt dessen Marktanteil in Europa -, dann folgt dem auf dem Fuß die Absage an jede Art von Quotierung. Dabei ist der einzige Fall, bei dem in Europa der Anteil nichtamerikanischer Filme höher liegt, das französische Modell: Quoten legen dort einen Mindestanteil nationaler und europäischer Filme fest. Und im Fernsehen dürfen an zwei Tagen gar keine Kinofilme gezeigt werden - mit dem Ergebnis, dass viel mehr Leute ins Kino gehen, dass Filme, die bei uns nicht den Weg auf die Leinwand finden, wochenlang laufen.</P><P>Statt sich für eine solche aktive Kulturförderung stark zu machen oder alternative Ideen zu entwickeln, nutzte Huber lieber die Gelegenheit zur Fortsetzung der Debatte über die Erhöhung der Rundfunkgebühren. "Film" heißt bei der CSU offenbar, wenn's gerade passt, auch Fernsehen. Ein Wunder, dass man Film- und Fernsehpreis immer noch so säuberlich trennt. Huber fand in ARD-Programmdirektor Günter Struve einen Widerpart. Der verwies nämlich auf den Föderalismus, auf den sich auch die Staatsregierung gern beruft, und meinte, dieser sei eben "betriebswirtschaftlich nicht optimal organisiert, aber die menschlichste Form". Die ARD habe sich schließlich nicht selbst gemacht, sondern sei ein Geschöpf der Landesregierungen.</P><P>Den Vorwurf von Premiere-Boss Georg Kofler, dass die öffentlichen Sender immer weniger Filme, immer weniger Kultur und immer mehr Sport zeigten, konnte Struwe allerdings nicht mit dem Hinweis darauf widerlegen, Sport sei das preiswerteste aller Programmsegmente. Auch wer Filme produziert und verkauft, wie Eberhard Junkersdorf oder Michael Weber (Bavaria), leidet unter der Sparwut der Sender. Denn nur einer von zehn Filmen, so Junkersdorf, finanziere sich allein an der Kinokasse. Das Fazit war klar: Selbst wenn man Film nur als Wirtschaftsgut behandelt, ist die Lage keineswegs rosig.</P>

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