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Keith Flint (1969-2019)

Sänger von The Prodigy stirbt mit 49 Jahren

Keith Flint – verzehrt vom frühen Ruhm

Die britische Band The Prodigy setzte in den Neunzigern zu einem internationalen Triumphzug an. Jetzt ist Keith Flint mit 49 Jahren gestorben. Unser Nachruf:

Mitte der Neunzigerjahre ist die englische Elektro-Hardcore-Formation Prodigy die angesagteste Band der Branche. „Wunderkind“ bedeutet Prodigy übersetzt und die Gruppe macht dem Namen alle Ehre. Die aggressive, aber tanzbare Mixtur aus Techno-Beats, Punk-Gebaren und sehr lautem Krach trifft den Nerv der Zeit. Gefördert unter anderem von Madonna, beginnt ein weltweiter Triumphzug. Und Keith Flint, dessen außergewöhnliche Frisur ihn wie ein Nachwuchsteufelchen wirken lässt, ist das Gesicht der Band. Als blutjunger Tänzer läuft er 1990 dem Discjockey Liam Howlett über den Weg, von dessen Musikmischungen er so begeistert ist, dass er ihm vorschlägt, gemeinsam aufzutreten. Howlett lässt sich darauf ein und bald haben Prodigy Erfolg. Howlett ist der kreative Steuermann, Flint gibt mit Hingabe und diabolischem Grinsen den unbarmherzigen Einpeitscher. Was Prodigy aufführen, ist neu – aber nicht unbegrenzt ausbaubar, wie ein genervtes Münchner Publikum im Sommer 1997 beim Neubiberger „Go Bang!“-Festival erleben muss. Aufgrund von Softwareproblemen sagen Prodigy ihren Auftritt ab – vor ihnen hat David Bowie auf die Unterstützung durch Computer verzichtet und ein berauschendes Konzert hingelegt. Der handfeste Unmut der Fans über Prodigy bedeutet für das Festival den Todesstoß. Die Briten sind zu diesem Zeitpunkt nach einem fulminanten Start tatsächlich mit ihrem Latein am Ende, es fehlt das handwerkliche Geschick, sich zu entwickeln. Damals sorgt zudem das geschmacklose „Smack my Bitch up“ samt Video für viel Gegenwind. Prodigy machen erst mal Pause.

Vor vier Jahren starten The Prodigy ihr Comeback

Howlett arbeitet fortan als DJ und Produzent, für den Tänzer und Gelegenheitssänger Flint sieht es düsterer aus: Seine Soloprojekte interessieren kaum jemanden, der Hype um Elektro-Hardcore flaut so schnell ab, wie er aufgetaucht ist. Ab und an stehen Prodigy wieder zusammen auf der Bühne und machen, was viele ehemalige Berühmtheiten tun: Sie grasen die Ränder des Planeten ab, wo sie noch als Stars gelten: ehemalige Sowjetunion, Naher Osten, solche Orte. Vor vier Jahren legen Prodigy, im Grunde schon auf einer Nostalgiewelle surfend, dann noch einmal ein Comeback hin und touren durch Europa. Flint gibt dabei unverändert den Springteufel, was mittlerweile allerdings eher tragikomisch wirkt.

Nun ist Keith Flint mit nur 49 Jahren gestorben. Ausgebrannt und verzehrt vom frühen Ruhm. 

Zoran Gojic

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