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Entwurf für den "War Room" aus Stanley Kubricks "Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" von 1964.

Ausstellung zu seinen Ehren

Ken Adam: Der Architekt der Filmwelten

Berlin - Er erschuf Schauplätze, an denen 007 die Welt rettete: Die Deutsche Kinemathek in Berlin würdigt den 93-jährigen Filmarchitekten Ken Adam mit einer Ausstellung.

Ken Adam war fertig. Dieser visionäre Set-Designer hatte mal wieder filmreife Arbeit geleistet: Das herrschaftliche Haus, der Irrgarten, die Ausstattung der Innenräume. Noch bevor Regisseur Joseph L. Mankiewicz mit dem Dreh zu „Mord mit kleinen Fehlern“ begann, richtete er sich am Set häuslich ein. „Zwei Tage hat er in den Kulissen gelebt. Er wollte sich in die Atmosphäre hineinspüren“, erzählt Adam. Vielleicht beschreibt diese Anekdote am besten, welche Rolle einem wie Adam in der Filmgeschichte zukommt. Seine Aufgabe als Set-Designer: eine ganze Welt zu erschaffen.

Selten tat das jemand so stilprägend wie Adam. Völlig zu Recht hat die Deutsche Kinemathek Berlin ihm nun eine Ausstellung gewidmet. Die vielen gezeigten Stücke spendete der 93-Jährige selbst dem Museum: als Versöhnung mit seiner Heimatstadt Berlin. Diese Randnotiz ist noch ein Grund, weshalb sich ein Besuch der Schau entschieden lohnt. Denn hier wird Leben und Werk eines inspirierenden Mannes vorgestellt.

Sein Architekturstudium musste er des Krieges wegen abbrechen

Rückkehr in seine Geburtsstadt: Ken Adam mit seiner Frau Letizia bei der Ausstellungseröffnung in Berlin.

Der heißt eigentlich Klaus Hugo Adam, wird 1921 in Berlin geboren, in eine großbürgerliche jüdische Familie. Im Alter von zwölf Jahren – 1933, Machtübernahme der Nationalsozialisten – Emigration nach England. Ein Schicksal von vielen. Adams Geschichte aber verläuft etwas anders: Mit 20 wird er freiwillig Pilot der Royal Air Force (RAF), nennt sich von nun an Keith Howard Adams, und will gegen die Nazis kämpfen. Bis 1944 bleibt er der einzige deutsche Pilot in der RAF. „Ich wollte etwas gegen das Morden meiner Verwandten tun“, erzählt er in einem Filmausschnitt im ersten Stock des Museums, im Ausstellungsraum der persönlichen Erinnerungen. Familienfotos, ein Ölgemälde aus dem elterlichen Haus, Fotos mit der Queen: 2003, beim Ritterschlag. Hier lernen wir diesen bestimmten, aber sehr humorvollen Mann mit der überbordenden Fantasie von seiner privaten Seite kennen.

Er hat sein Architekturstudium des Krieges wegen abbrechen müssen. Also wird er Zeichner. Seine Sets sind keine bloßen Einrichtungen, sie sind selbst Inszenierungen. Ein Spiel mit Licht und Schatten, mit der Kamera – da werden die Wände in „Kein Koks für Sherlock Holmes“ plötzlich vier Meter hoch und schrumpfen dann auf 1,5 Meter herab. „Ich wollte, dass es die Wohnung eines Koksabhängigen ist – mit seinen Wahnvorstellungen“, erzählt Adam, der sich immer in die Arbeit des Regisseurs eingemischt hat.

Mit Filzstift malt Ken Adam den "War Room"

"Moonraker": Raumstation nach Adams Entwurf.

Er ist Filmarchitekt. Verleiht allen der über 70 Filme, in denen er das Szenenbild verantwortete, seine Handschrift. Die Installation „Lines in Flow“ von Boris Hars-Tschachotin macht das wunderbar deutlich: Hier sehen wir Adam am Zeichentisch. Mit Filzstift malt er den „War Room“ aus Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ auf weißes Papier. Er kehrt uns den Rücken zu, das, was er malt aber erscheint zeitgleich über ihm in der Luft. Wie von Zauberhand entsteht diese Kulisse, die Filmgeschichte geschrieben hat. Dann wird die bloße Zeichnung zum bewegten Bild: Wir sehen eine Szene aus „Dr. Seltsam“ in einem Raum, der dem auf dem Papier absolut gleicht.

Diese Installation ist Höhepunkt der sehenswerten Schau. Sie macht deutlich, welche Vorstellungskraft in dem Mann stecken muss, der diese albtraumhaften Orte geschaffen hat, die Fans aus „Dr. No“, „Goldfinger“ und vielen weiteren James-Bond-Filmen kennen. Die Welten wirken so real, dass man ganz vergisst, dass sie jemand erfunden haben muss. Genau das war immer sein Ziel: „Ich wollte nicht die Wirklichkeit imitieren, sondern etwas Neues schaffen – aber etwas, das die Leute akzeptieren. Es muss glaubhaft sein“, erzählt er in einem anderen Interview, das auf eine Leinwand projiziert wird. Diese hängt zwischen vielen Originalskizzen, daneben laufen Videos, die die dazugehörigen Filmszenen zeigen.

Adam hat viele Kollegen geprägt, den Szenenbildner Alex McDowell zum Beispiel. Auch der kommt zu Wort: „Durch die viele Technik vergessen wir oft, dass das Malen mit der Hand wesentlich ist. Adam erinnert uns daran, wie wichtig die Zeichnerei ist. Durch sie kannst du etwas kommunizieren, was du nicht mit Worten ausdrücken kannst.“

Ausstellung

Bis 17. Mai 2015, Deutsche Kinemathek, Potsdamer Straße 2, Berlin; Telefon 030/ 300 90 30.

Katja Kraft

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