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Kim de l’Horizon im Literaturhaus München: Von Hexen und Herkunft

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Von: Michael Schleicher

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Kim de l’Horizon las im ausverkauften Münchner Literaturhaus.
Kim de l’Horizon las im ausverkauften Münchner Literaturhaus. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Kim de l’Horizon, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, war zu Gast im Literaturhaus München. Rückblick auf eine besondere Lesung: kurzweilig, komisch, klug und kreativ.

Als im Literaturhaus München am Montag (23. Januar 2023) beinahe schon wieder Schluss ist, sagt Moderatorin Miriam Zeh vom Deutschlandfunk zu Kim de l’Horizon: „Wir haben das Publikum nicht komplett beleidigt.“ Nee, natürlich nicht. In diesem Satz steckt vielmehr ein ordentliches Stück Koketterie, und Zeh weiß das. Denn diese 90 Minuten waren kurzweilig, komisch, klug, kreativ – und das ist schließlich ganz schön viel für eine Lesung.

Im Zentrum des Abends am Salvatorplatz steht der Roman „Blutbuch“ (erschienen im DuMont Verlag) . Für das Werk erhielt de l’Horizon den Deutschen Buchpreis, als erste non-binäre Person in der Geschichte dieser wichtigen literarischen Auszeichnung.

Kim de l’Horizons „Blutbuch“ ist eine schillernde Lebensgeschichte

Es folgten der Schweizer Buchpreis und einige mehr – „Blutbuch“, eine intensive, sprachverliebte und autobiografisch schillernde Lebensgeschichte, ist somit eines der meistdiskutierten Bücher der Saison. Entsprechend groß ist das Interesse an dieser Veranstaltung, die das Literaturhaus München zusammen mit dem NS-Dokuzentrum organisiert hat: Der große Saal ist seit Wochen ausverkauft; den Livestream haben so viele Menschen gebucht wie noch nie, freut sich Literaturhaus-Chefin Tanja Graf. Auch Kim de l’Horizon ist glücklich ob des enormen Interesses – doch ist da eben auch Erschöpfung zu spüren: Das Reisen strenge an.

Dennoch (oder gerade deswegen?) hat de l’Horizon ein bemerkenswertes Ritual initiiert: „An jedem Ort, an den ich reise, setze ich mich mit der Hexenverfolgung auseinander und widme den Opfern ein Gedicht.“ In München sind das Anna und Brigitta Anbacher, 1590 verbrannt an der Hackerbrücke, dort, wo heute der ZOB ist. „Danke für Euer Gewitter“, enden die Verse, die de l’Horizon vorträgt, nachdem ein Bündel glimmender Kräuter im Publikum weitergereicht wurde.

Zehn Jahre hat Kim de l’Horizon an „Blutbuch“ gearbeitet

Nach diesem berührenden Beginn schlägt das Duo auf der Bühne sehr empathisch, unterhaltsam und informativ den Bogen zu Fragen der Literatur, des Lebens, Schreibens, Miteinanders und des Dialekts – Themen, die auch im „Blutbuch“ verhandelt werden. Zehn Jahre hat Kim de l’Horizon daran gearbeitet. „Der Roman begleitet mich wahnsinnig lange. Und so freue ich mich, wenn es Zeit für Neues gibt. Wann das sein wird, weiß ich aber noch nicht.“ Bald, hoffentlich.

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