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Voller Einsatz beim Kinder-Casting im Silbersaal des Deutschen Theaters.

Für "Die Schöne und das Biest"

Kinder-Casting im Deutschen Theater: Talentierte Tassen

München - Es war die Chance für kleine Nachwuchs-Bühnenstars: Das Deutsche Theater hat Buben zum Kindervorsprechen für das Musical „Die Schöne und das Biest“ gebeten.

„La-la-la-la-la – die Schöne und das Biest“, schallt es von der kleinen Bühne durch den Silbersaal des Deutschen Theaters. Herausgeputzt sind sie, die sechs- bis zehnjährigen Buben, und sie alle hoffen auf die noch unbesetzte Rolle im Musical „Die Schöne und das Biest“. Für die Aufführungen vom 17. Dezember bis 11. Januar im Münchner Deutschen Theater fehlte noch ein Junge für die kleine freche Tasse namens Tassilo. Beim Kindervorsprechen konnten nun zwölf Bewerber ihr Talent vor Tour-Koordinator Martin Flohr und Sprechtrainer Martin Harbauer unter Beweis stellen.

Zur Lockerung gibt es ein Aufwärmtraining unter der Anleitung von Harbauer. Die Buben sollen erst einmal durch den großen Saal gehen, dann laufen, „als würdet Ihr in die Stadt rennen, weil es da das neue iPhone für 50 Cent gibt!“ Die Kinder wirbeln durcheinander, einigen macht die Übung großen Spaß, anderen sieht man an, dass womöglich Mutti größeres Interesse an der Schauspielkarriere hat als der Nachwuchs. Die Buben müssen sich in einem Kreis aufstellen und einander bunte Bälle zuwerfen – da ist Konzentration gefragt. Durch eine imaginäre hohe Dornenhecke sollen sich die Teilnehmer anschließend zu Dornröschen durchkämpfen – mit angestrengten Mienen durchforsten die Prinzen den Saal. Da wird sich auf den Boden geworfen, an widerspenstigen Ästen gezerrt und durch das Gestrüpp geackert.

Das Gesangstalent wird bei einer Klangübung getestet, hohe und tiefe Töne sind nun gefragt – „ba-ba-bumm“. Dass Harbauer gut mit Kindern kann, ist schnell klar. Er lobt, lacht und animiert: „Hey, das war richtig klasse!“ Wenn etwas schieflaufe, sei bei schauspielenden Kindern „Tadel überhaupt nicht erlaubt“. Scheitern dürfen, das sei im Theater das Wichtigste, so der Sprechcoach. Ob ein Kind talentiert sei, merke er recht schnell. Und auch für das Laienauge ist deutlich erkennbar, welcher viel Freude am Theaterspielen und Austoben hat – und wer eher zurückhaltend und mit weniger Enthusiasmus daherkommt.

Für das Einzelvorsprechen sollten die Teilnehmer ein selbstgewähltes deutschsprachiges Lied sowie ein Gedicht mitbringen. Die Lyrik ist oftmals herbstlich angehaucht, bei den Liedern ist von den „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ bis zum „Gummibärchenlied“ einiges vertreten. Es erfordert Mut, sich als Grundschüler vor dem Jurorentisch auf das kleine, weiße Kreuzchen zu stellen und mit hellen Scheinwerfern beleuchtet zu werden. Harbauer und Flohr machen es den Teilnehmern mit aufmunterndem Lächeln und großer Herzlichkeit aber so einfach wie möglich: „Egal, was Du für einen Bescheid bekommst, das hast Du echt toll gemacht!“

Der Berufswunsch ist bei den meisten klar: Sie wollen große Schauspieler werden oder die Musicalbühnen erobern. Einige haben schon Theatererfahrung, für andere ist es das erste Mal. Wie ihm das Aufwärmen gefallen habe, fragen die Juroren jeden Buben. „Gut!“, antworten alle. Bewerber Sebastian Patsch hat den Sinn hinter dem ganzen Rumgehüpfe und Töne-Singen gleich verstanden: „Ich glaube, das war ein Test, oder?“

Dass hier eben nicht alte Hasen auf der Bühne stehen, sorgt auch für den einen oder anderen Schmunzler – so wie bei Yaris Ingalls. Mit strohblondem Haar und bunt blinkenden Schuhen schaut der Bub anfangs noch unsicher zur Mama, taut bei „O Tannenbaum“ aber richtig auf. Beim Verlassen des Saales wischt er sich erschöpft mit dem Handrücken über die Stirn – „Puh, ich schwitze!“

Die Juroren animieren die Buben, die zu Beginn meist leise und vorsichtig sprechen, zum Lautsein – immerhin soll die Stimme später ja ein ganzes Theater ausfüllen können. Harbauer deutet auf den Balkon im Saal und bittet die Teilnehmer so laut zu sprechen, „als würde die Oma da oben sitzen, die doch so schlecht hört“. Patzer gibt es keine, jeder hat sein Lied und sein Gedicht fleißig gelernt. „Das ganze Wochenende!“, betont Devin Parsch. „Dann hören wir bald voneinander“, verabschiedet ihn Flohr. „Ja, ich bin ja auch Schauspieler!“, antwortet der wie selbstverständlich.

Ein Teilnehmer hat seine Stücke eigentlich schon vorgetragen – aber wofür hat er einen Regenschirm mitgebracht? „Falls Sie noch mehr wollen, würde ich ,Singin’ in the Rain‘ singen“, erklärt Marinus Hohmann. „Na, das will ich jetzt aber hören – einfach zur Unterhaltung!“, ruft Harbauer erfreut. Und wie der fröhliche Junge das Lied trällert, hätte bestimmt auch Gene Kelly begeistert.

Bei so vielen Eindrücken mussten sich die beiden Juroren erst einmal über die Auftritte austauschen. Nach gut einer Woche stehen die Sieger fest: Yaris Ingalls hat es geschafft, ebenso Can Yildiz, Marinus Hohmann, Valentin Porsch und Levi Ennio Lang. Die Buben werden sich bei den Vorstellungen abwechseln – und die freche Tasse sicher toll verkörpern.

Ab 17. Dezember bis 11. Januar; Karten unter Telefon 089/ 55 23 44 44.

Julia Haller

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