Gut 200 Autoren haben sich an dem Wettbewerb beteiligt

Kinder- und Jugendbuchpreis: Ein „Volltreffer“ mit Dinosauriern

München - Die Gewinnerin des ersten Jugendbuchpreises, den der Münchner Merkur zusammen mit der Literaturagentur Meller und dem Arena-Verlag ausgeschrieben hat, steht fest: Alice Pantermüller setzte sich mit „Insel der Dinosaurier" gegen die starke Konkurrenz durch.

Ihr Manuskript, erzählt Alice Pantermüller, sei das einzige gewesen, „das sie jemals ohne Hintergedanke an eine Veröffentlichung“ geschrieben habe. Der Text entstand vor zwei Jahren für ihre Söhne, die damals gerade neun und sieben Jahre alt waren. Die beiden interessierten sich für Dinosaurier – und stellten ihre Mutter vor ein Problem: „Denn Sachbücher gab es dazu eine Menge, aber keine Geschichten für Kinder“, erinnert sich Pantermüller, die 1968 in Flensburg geboren wurde.

Also setzte sie sich hin und schrieb die Geschichte von Bendix Brodersen auf. Der ist zwölf Jahre alt und lebt seit dem Unfalltod seiner Eltern in einem Waisenhaus. Dort ist er nicht wirklich glücklich, vor allem der gleichaltrige Chris ärgert ihn. Bendix flüchtet sich in seine Traumwelt, in der es Dinosaurier gibt, denn schließlich will er später einmal Paläontologe werden. Plötzlich taucht Thekla im Waisenhaus auf und nimmt Bendix und Chris mit auf die Insel Floribunda im Pazifik: Hier ist die Zeit im Jura stehengeblieben, daher leben auf dem Eiland noch immer Dinosaurier. Als Pantermüller dann im Internet auf die Ausschreibung zum Jugendbuch-Wettbewerb unserer Zeitung stieß, beschloss sie, die „Insel der Dinosaurier“ nochmals zu überarbeiten und einzusenden. Bislang konnte sie nur ein Manuskript – ein Sachbuch über Englisch – bei einem kleinen Verlag veröffentlichen.

Wie berichtet, nahmen rund 200 Autoren mit ihren Manuskripten am Wettbewerb teil. Die Jury, in der neben Vertretern des Arena-Verlags, der Literaturagentur und des Münchner Merkur auch zwei jugendliche Leser, eine Kinder-Buchhändlerin sowie eine Autorin saßen, votierte am Ende einstimmig für Pantermüllers Roman: „Das kann ich noch gar nicht fassen“, freut sich die Autorin, die bereits in ihrer Grundschulzeit Geschichten in ihre Hefte schrieb – und entweder „Lehrerin“ oder „Buchschreiberin“ werden wollte. Nach dem Lehramtsstudium, einem Aufenthalt als deutsche Fremdsprachenassistentin in Schottland und einer Ausbildung zur Buchhändlerin lebt sie heute mit ihrer Familie „im Wald, weit ab vom Schuss“, in der Lüneburger Heide.

Hier wird sie sich in den nächsten Wochen nochmals intensiv mit ihrem Text auseinandersetzen. Von Juni an beginnt die Arbeit der Autorin mit Katrin Weller, Lektorin beim Arena-Verlag, an der „Insel der Dinosaurier“. Ziel ist es, einige der Charaktere auszubauen, möglicherweise eine weitere Handlungsebene in der Geschichte zu etablieren. Länger als zwei Monate wird diese Phase wohl nicht dauern, Katrin Weller rechnet damit, dass sie sich im August um das Sprachlektorat, also den sprachlich und stilistischen Feinschliff des Romans, kümmern kann. Parallel dazu sucht sie nach einem Illustrator, der das Buchcover und die sogenannten Vignetten, die zu Beginn eines jeden Kapitels stehen werden, entwerfen soll. Im Würzburger Verlagshaus geht man momentan davon aus, dass das Buch Ende August in den Druck gehen kann, sodass es zum Januar 2011 in den Läden liegt.

Das ist ein straffer Zeitplan, doch wer weiß, wie viele Jahre sie sich vergeblich um einen Verlag für ihre Romane bemüht hat, versteht, warum Alice Pantermüller ihren Sieg mit diesem Satz umschreibt: „Es ist ein Volltreffer.“

Michael Schleicher

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Streitschrift: Wie mit AfD-Sympathisanten umgehen?
„Mit Rechten reden“ ist eine Streitschrift über den Umgang mit AfD-Sympathisanten. Sie nähert sich dem Thema mit Logik, Polemik und Ironie. An diesem Donnerstag ist …
Streitschrift: Wie mit AfD-Sympathisanten umgehen?
Sänger sagt München-Konzert kurzfristig ab  - Hunderte Fans enttäuscht
Der Sänger Perfume Genius musste sein Konzert in München aus gesundheitlichen Gründen absagen. Eigentlich wäre er vergangen Mittwoch im Hansa 39 auf der Bühne gestanden. 
Sänger sagt München-Konzert kurzfristig ab  - Hunderte Fans enttäuscht
Jansons zum Konzertsaal: „Ich bin noch nicht beruhigt“
Der Architektenwettbewerb ist entschieden, ab 2018 könnte gebaut werden. Doch wie soll das Münchner Konzerthaus geführt werden? Dirigent Mariss Jansons denkt an eine …
Jansons zum Konzertsaal: „Ich bin noch nicht beruhigt“
Hisham Matar und sein schwieriges Vater-Land
Hisham Matar erzählt in „Die Rückkehr“ von seiner Heimat Libyen und von der Suche nach seinem Vater, der von Gaddafis Schergen entführt wurde. Dafür wird der Autor in …
Hisham Matar und sein schwieriges Vater-Land

Kommentare