Berliner Flughafen BER soll im Oktober 2020 in Betrieb gehen

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„Der Kinderbuchmarkt geht in eine wahnsinnig glatte Glitzerecke“: Verlegerin Mona Horncastle, alleinerziehende Mutter von Zwillingen, hat Gegenmaßnahmen ergriffen.

Münchner Verlag

„Kinder mögen nicht nur Bärchen“

Kunst darf nicht nur, sie muss auch Spaß machen. Das hat Mona Horncastle bewiesen, die in München einen Kinderbuch-Verlag gegründet hat - ein kleines Haus mit einem stattlichen Programm.

"Ich will zeigen, dass Wissen Spaß machen kann, will Hemmschwellen gegenüber der Kultur abbauen, will Kinder neugierig machen auf Kunst, ich will sie unterhalten und dabei gleichzeitig ernst nehmen." Wenn Mona Horncastle ihre Vision von Kinderbüchern beschreibt, versprüht sie eine Begeisterung, die genau so ansteckt wie ihr fröhliches Lachen. Die quirlige Frau hat ihre Leidenschaften, das Lesen und die Kunst, zum Beruf gemacht und vor vier Jahren einen Verlag für Kinder- und Kunstbücher in München gegründet.

"Eigentlich entstand die Idee eher zufällig", sagt die 35-Jährige. Als alleinerziehende Mutter von Zwillingen jobbte sie während ihres Kunstgeschichte- und Philosophiestudiums als Museumsführerin für Kinder. Oft sprachen sie Eltern an und baten um Literatur zu dem Thema. "Also schrieb ich einen Kinder-Museumsführer." Doch kein Verlag wollte den drucken. "Zu wenig akademisch" lautete das vernichtende Urteil.

"Die Kunstbücher für Kinder, die es damals gab, waren alle von Erwachsenen für Erwachsene gemacht, die ihren Kindern gern etwas beibringen wollten", beschreibt Horncastle die verkopfte Literatur. Dabei sei der natürliche Umgang mit solchen Themen eigentlich ganz einfach. "Kunst kann für Kinder wahnsinnig spannend sein, wenn man sie nicht mit Wissen verschreckt."

Ein Fünfjähriger müsse nichts über den Kubismus wissen. Er solle nur gezeigt bekommen, dass es so was gibt. "Kinder sollen sehen, dass Museen mehr sind als Räume, durch die man sich von der Mama schleifen lässt, damit man hinterher ein Stück Kuchen als Belohnung bekommt."

Mit dieser Idee im Kopf und inzwischen einiger Erfahrung als Mitarbeiterin in der Deutschen Verlagsgesellschaft und des Hugendubelverlags nahm die gebürtige Heilbronnerin allen Mut zusammen und gründete den Horncastle Verlag. Inzwischen blickt sie stolz auf ein für einen derart kleinen Betrieb stattliches Programm - vom Band über Porträtmalerei über einen zum Thema Tanz in der Kunst, von einem liebevollen Bilderbuch über die Arbeit im Theater bis hin zum Audioguide für Kinder von Kindern für das Franz Marc Museum in Murnau. Auffällig bei allen: Sie sind bunt, ansprechend und kindgerecht - aber niemals kindlich gestaltet. "Ich mag das Niedliche in Kinderbüchern nicht so gern", begründet Mona Horncastle. "Der Kinderbuchmarkt geht in eine so wahnsinnig glatte, prinzessinrosa Glitzerecke. Das brauchen Kinder vielleicht auch ab und zu - aber eben nicht nur."

Hinzu komme, dass ihre Bücher immer auch ansprechend für die Eltern sein sollen. "Wenn mich als Mutter ein Buch langweilt, lese ich es auch ungern und damit schlecht vor. Und dann gefällt den Kindern das Buch auch nicht", sagt Horncastle. Ein wenig "ätschi" dürften Zeichnungen deshalb bei ihr sein. Sie sei daher immer auf der Suche nach schrägen, andersartigen, neuen Dingen. "Kinder mögen nicht nur bunte Bärchen." Und das gilt für alle Kinder, egal welcher Bildungsschicht, da ist sich Mona Horncastle sicher.

Doch ihr ist auch klar, dass ihre Bücher trotzdem nur bei den Kindern landen, deren Eltern Geld für Kunstbücher ausgeben. "Das Thema bringt ein elitäres Stigma mit sich." Um dieses aufzubrechen, beschreitet die Powerfrau erneut einen ungewöhnlichen Weg: Gemeinsam mit der Vereinigung "Gesellschaft macht Schule e.V.", die sich zur Aufgabe gemacht hat, das Ganztagesangebot von Hauptschulen sinnvoll zu füllen, und der "Stiftung Zuhören" des Bayerischen Rundfunks geht Horncastle direkt in Hauptschulklassen und erarbeitet mit den Kindern Hörbücher zu Themen wie Kandinsky oder Landschaftsmalereien.

Und wieder sprüht die Verlegerin vor Begeisterung, wenn sie davon erzählt. "Es ist kaum zu glauben, wie motiviert die Kinder da mitmachen", schwärmt sie. Ohne jegliches Vorwissen durften sich zum Beispiel die Schüler der sechsten Klasse einer Giesinger Hauptschule in zwei Stunden pro Woche Gedanken zu Kandinskys Bildern machen, Geschichten ausdenken, Klänge erfinden, die Ausstellung besuchen. Erst Monate später kamen kunsthistorische Fakten dazu, Sprechübungen und das Verfassen von Texten. "Jetzt wird das alles als CD produziert, und die Kinder sind wahnsinnig stolz auf ihr Werk."

Schüler, die seit Wochen die Hausaufgaben verweigerten, hätten plötzlich seitenlange Aufsätze verfasst, andere betrieben freiwillig Recherchen im Internet, und diese Motivation übertrage sich auch auf die übrigen Unterrichtsfächer, begeistert sich Horncastle. "Hier bin ich wieder bei meinen Anfängen gelandet: Der Idee, dass Wissen Spaß machen kann." Händeringend sucht sie nun Sponsoren, um ihre Reihe "Kunst mit Auge und Ohr", wie sie sie nennt, auf weitere Schulen auszuweiten. Einen Verlag zu führen bedeute schließlich auch, einen Bildungsauftrag zu haben, begründet die Verlegerin ihr Engagement. Und man spürt, dass es ihr damit ernster ist als vielen bayerischen Politikern.

Melanie Brandl

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