News-Ticker zum Barcelona-Terror: Zahl der Todesopfer auf 15 gestiegen

News-Ticker zum Barcelona-Terror: Zahl der Todesopfer auf 15 gestiegen
+
Mit "Kinder der Sonne" eröffnet das Volkstheater seine Spielzeit.

Gespräch zur Premiere

Mit diesem Stück wird die Volkstheater-Saison eröffnet

München - Mit  „Kinder der Sonne“ wird die Spielzeit am Münchner Volkstheater eröffnet. Regisseur Csaba Polgár verrät im Merkur-Interview, dass er zunächst immer aufgeregt ist.

Von William Shakespeare bis ins vorrevolutionäre Russland ist es ein weiter Weg. Gute 300 Jahre liegen dazwischen. Csaba Polgár hat ihn fürs Münchner Volkstheater binnen zwölf Monaten zurückgelegt. Schon 2013 durfte der heute 32-Jährige mit seiner Inszenierung die Spielzeit am Haus eröffnen: Damals stand „Julius Cäsar“ an. Heuer wird ihm die Ehre erneut zuteil, diesmal mit Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ (Premiere morgen).

Noch in den Achtzigerjahren hätten der junge Ungar und die einst doch eher bayerisch orientierte Bühne schwer zusammengefunden. Als 2002 jedoch Christian Stückl Intendant wurde, verjüngte sich das Theater – und wurde schließlich sogar international. So lädt das Festival „Radikal jung“ seit Kurzem nicht nur Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum nach München ein, sondern aus ganz Europa und Israel. Auf diesem Wege kam Csaba Polgár in die bayerische Landeshauptstadt. 2012 zeigte er „Korijolánusz“, eine Produktion der unabhängigen HOPPart Company aus Budapest, deren Mitbegründer er ist. Seine Arbeit kam so gut an, dass er nun bereits zum zweiten Mal ans Haus zurückgekehrt ist.

Regisseur Csaba Polgár.

Ein Stück von Maxim Gorki zu zeigen, war seine Idee. Auch in seiner Heimat hätte er gerne ein Drama des Russen inszeniert. Doch nur das Volkstheater willigte ein. „In Ungarn haben wir ein seltsames Verhältnis zu Gorki“, erzählt Polgár. „Wir mögen ihn nicht wirklich, schon aufgrund unserer sozialistischen Vergangenheit. In unserer Wahrnehmung ist er ein belasteter Autor. Ich allerdings finde ihn sehr scharfsichtig, seine Stücke sind voller Witz, voll von sarkastischem Humor, den ich sehr mag. Er legt den Finger direkt in die Wunden der Gesellschaft.“

"Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer"

Das Schauspiel „Kinder der Sonne“ entstand 1905 nach dem blutigen Einsatz der zaristischen Armee gegen Volksproteste in St. Petersburg. Gorki porträtiert darin eine weltfremde, neurotische Gruppe von Künstlern, Intellektuellen und Bürgern. Sie alle ersehnen sich ein besseres Leben und sind doch in ihrer psychischen wie sozialen Disposition gefangen. Die Realität blenden sie, soweit es geht, aus. Der Gewalt und den Nöten des einfachen Volks gegenüber zeigen sie sich ohnmächtig und ignorant.

Wie schon bei seiner Shakespeare-Inszenierung im vergangenen Jahr zieht Polgár Bezüge zur Gegenwart: „Bei Maxim Gorki haben wir eine große Kluft. Ebenso wie bei uns heute. Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer. Ich weiß nicht, was hier in Deutschland passiert, aber in Ungarn haben wir das Problem, dass die Mittelklasse verschwindet. Die Kluft zwischen den Menschen wächst. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch eine intellektuelle.“

Eine besonders gruselige Parallele des Stücks zur Gegenwart ergab sich von selbst, allerdings bereits lange nachdem sich Volkstheater und Polgár für die Gorki-Inszenierung entschieden hatten. Jetzt im Sommer ist die Ebola-Epidemie in Westafrika außer Kontrolle geraten. In „Kinder der Sonne“ ist die Cholera ausgebrochen und schwebt wie ein Damoklesschwert über den Protagonisten. Auch diesen Zusammenhang wird Csaba Polgár aufgreifen.

Während der Ungar den theaterbegeisterten Münchnern nur als Regisseur bekannt ist, lebt er in seiner Heimat vor allem von seinem eigentlichen Beruf, der Schauspielerei. Seit 2007 ist er Ensemblemitglied am Örkény Theater in Budapest. Selbst zu inszenieren begann er, als er mit Freunden HOPPart gründete. „Von unabhängigen Produktionen allein aber kann man in Ungarn heute nicht leben“, sagt er. „Für diesen Zweig der Theaterkultur ist kein Geld da. Außerdem übt die Independent-Szene natürlich viel Kritik an den politischen Verhältnissen in Ungarn. Wir wollen ja kein Museum auf die Bühne bringen. Das aber mögen sie in Ungarn nicht.“

Dass er ab und an in Deutschland arbeiten kann, gefällt ihm. „Deutsches Theater ist sehr vielfältig, der Markt ist viel größer.“ Einzige Krux ist die Sprachbarriere. Polgárs Proben am Volkstheater sind multilingual, vieles wird auf Englisch geklärt und in Notfällen hilft Polgárs Dramaturgin Ildikó Gáspár, die sehr gut Deutsch spricht. Der Text selbst liegt dem Regisseur in einer Doppelfassung vor – eine Seite auf Deutsch, die gegenüberliegende auf Ungarisch: „Zunächst bin ich immer sehr aufgeregt. Aber das wird mit der Zeit besser. Dann entwickle ich ein Gefühl dafür, wie der jeweilige Satz im Deutschen klingt. Ich kann ihn zwar selber nicht sagen, aber ich kenne ihn. Nach ein paar Wochen hat sich dann im Ensemble eine Mischsprache aus Deutsch und Englisch etabliert, an die sich alle schnell gewöhnen.“

Katrin Hildebrand 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maler Karl Otto Götz ist tot
Er galt als Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit: Karl Götz. Der Maler ist im Alter von 103 Jahren gestorben.
Maler Karl Otto Götz ist tot
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen

Kommentare