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Christine Nöstlinger

Sie schrieb mehr als 100 Kinderbücher

"Unfug": Nöstlinger lehnt Textänderungen ab

Berlin - Die österreichische Kinderbuch-Autorin Christine Nöstlinger lehnt in der Diskussion um möglicherweise diskriminierende Formulierungen Änderungen an den Texten kategorisch ab.

"Ein Unfug! In Erwachsenenliteratur würde man nie so reinpfuschen", sagte die 76 Jahre alte Schriftstellerin in einem Interview dem Berliner "Tagesspiegel" (Sonntag). Das zeige doch, dass "Kinderliteratur für viele nicht mehr ist als eine Pädagogikpille, eingewickelt in Geschichterlpapier".

Die in Wien lebende Nöstlinger schrieb mehr als 100 Kinder- und Jugendbücher, unter anderem "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig". In dem Buch geht es um einen König Kumi-Ori, der von seinem Volk verjagt wird. Kumi-Ori ist ein hebräisches Wort und bedeutet unter anderem Jerusalem. Nöstlinger wurde daher auch Antisemitismus vorgeworfen. "Das ist so was von lächerlich", kommentierte die 76-Jährige. Sie sei auf das Wort in einem Gedicht von Paul Celan gestoßen. Eine jüdische Freundin habe es ihr mit "erhebt euch" übersetzt. "Das gefiel mir: Ein Tyrann, gegen den sich sein Volk erhoben hat, heißt 'erhebt euch'. Das war mein Privatwitz", betonte Nöstlinger.

Die Zeit des Nationalsozialismus habe die 1936 geborene Nöstlinger als "ganz furchtbar" erlebt. Das Duckmäusertum sei sehr verbreitet gewesen. Ihre schwerhörige Großmutter habe dauernd und sehr laut auf Hitler geschimpft. Bekannte hätten sie gewarnt, dass sie damit aufhören müsse, da sie sonst ins KZ komme. "Aber sie kam nicht ins KZ", fügte die Autorin hinzu.

Literatur kann für Nöstlinger im besten Fall ein Stück Welt in Sprache umsetzen. "Dümmer wird man durchs Bücherlesen jedenfalls nicht", fügte die zweifache Großmutter hinzu. Mittlerweile schreibe sie aber weniger als früher. "Manchmal umschleiche ich den Computer, als ob er mein Feind wäre. Dabei hat mir das Schreiben immer mehr Spaß gemacht als der Rest vom Leben".

dpa

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