Kinderoper eines braunen Komponisten

München - Mit der Kinderoper "Der Mann im Mond" will das Gärtnerplatztheater ab 25. November für Zuschauernachwuchs sorgen. Das Problem ist nur: Komponiert wurde sie von Cesar Bresgen. Und der war nach eigenem Eingeständnis ein glühender Nationalsozialist.

"Mit ihrer raffiniert einfachen und eingängigen Musik ist die Kinderoper ,Der Mann im Mond ein spannendes Stück Theater, das weit über den Moment hinaus zum Nachdenken anregt über den Umgang mit Macht, Versuchungen, Treue und Liebe." So wirbt das Gärtnerplatztheater in seiner Saisonbroschüre und auf seiner Homepage. Über den Umgang mit Macht und über Versuchungen lässt sich hier tatsächlich einiges lernen. Nur hat dies weniger mit der Handlung um einen Prinzen zu tun, der auf den Erdtrabanten verbannt wurde, sondern mit dem Komponisten selbst.

Cesar Bresgen (1913-1988) gehörte zu jenen Tonschöpfern, die aktiv am NS-System mitwirkten. Der Sohn eines Münchner Malers, der seine Kindheit in Salzburg, Prag und an der Isar verbrachte, produzierte Musik für die Hitlerjugend, dozierte als Mitglied des Salzburger Mozarteums über "Musikerziehung in der Hitlerjugend" und war als Berater für diese Organisation beim Reichssender München tätig.

Darüber hinaus war Bresgen mitverantwortlich für die Gründung sogenannter Spielscharen, die der Hitlerjugend zuzuordnen sind. Und er hat 1939 Sätze formuliert wie: "Der Nationalsozialismus hat es sich zur Aufgabe gemacht, das echte Volkstum zu schützen und zersetzende Einflüsse zu vernichten."

Ulrich Peters, seit dieser Saison Intendant am Gärtnerplatz, räumt Bresgens "braune Vergangenheit" ein. Überdies habe sich der Komponist in Äußerungen zu seiner Karriere durchaus "sehr dämlich" verhalten. "Wir haben allerdings ein Werk gesucht, das direkt und ursächlich für Kinder geschrieben ist." Es gebe wenige Komponisten, die sich diesem Genre so verschrieben hätten. Bresgen sei durch seine Werke relevant geworden - nicht weil er sich zwischen 1933 und 1945 angepasst habe. Sein Leben werde im Programmheft und in der Einführungsmatinée zur Sprache kommen. Sicherlich beschleiche ihn, so Peters, "ein gewisses Unwohlsein". Dies stelle sich aber auch bei Strauss' "Salome" oder beim Spielen eines Werks von Werner Egk ein.

Dass Cesar Bresgen eingängige, für Kinder leicht sing- und nachvollziehbare Musik geschaffen hat, ist unbestritten. In vielen Liederbüchern taucht er auf, von ihm stammt die Sammlung "Fein sein, beieinander bleiben", und an der Seite von Tobi Reiser war er Mitherausgeber der "Salzburger Musikblätter". Bresgen, der sich von der damaligen Musik-Avantgarde deutlich unterschied, verfasste populäre "Liedkantaten", berief sich auf Volksliedhaftes und Brauchtum. Spätestens ab 1938 schrieb er, dessen Stil dem nationalsozialistischen Musikgeschmack sehr entgegenkam, aber auch auf Bestellung. Martialisches und simpel Gestricktes findet sich darunter, das bei den Reichs-Musiktagen oder eben bei der Hitlerjugend auf großen Anklang stieß.

Für den kanadischen Historiker Michael Kater, Autor der Studie "Die missbrauchte Muse", ist Bresgen seinerzeit zwar ein "talentierter junger Komponist" gewesen. Kater geißelt aber andererseits seine "politisch ausgerichtete Produktion". Bresgens Versicherungen nach dem Zweiten Weltkrieg, er habe mit Politik nichts zu tun gehabt und sei vom Regime unter Druck gesetzt worden, wertet Kater als "faustdicke Lügen". Er galt vielmehr als "eine der strahlendsten Hoffnungen des neuen deutschen Musik-Establishments".

"Ich als Nachgeborener tu' mich immer schwer mit diesen Dingen", sagt dazu Intendant Ulrich Peters. "Ich verurteile nicht und werfe nicht den ersten Stein." Heute lebe man eben in einer "extrem informierten Gesellschaft", damalige Zeitzeugen hätten zum Teil von solchen Dingen nichts gewusst. Verglichen mit einem KZ-Aufseher handele es sich doch hier um einen anders gelagerten Fall. Für das Gärtnerplatztheater kann diese Kinderoper laut Peters auch ein Einstieg sein, die Vergangenheit "ein bisschen aufzuarbeiten". Etwa was die Planung der nächsten Spielzeit betreffe. "Da haben wir schon an ein Stück über die Weiße Rose gedacht."

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