In der Kinderstube

- Leicht machte sie es weder sich noch dem Publikum. Magdalena Kozená´ verwöhnte bei ihrem Münchner Festspiel-Liederabend im Prinzregententheater, nicht mit wohlvertrauten deutsch-romantischen Leckerbissen, sondern mit Delikatem: französische Impressionisten, durchsetzt mit Britischem, gekrönt von Russischem.

In Modest Mussorgskis "Detskaja" (Die Kinderstube) fühlte sich die junge Sängerin (und frisch gebackene Mama) hör- und sichtbar besonders wohl. In den bezaubernden kleinen Auseinandersetzungen mit der Amme, den kindlichen Fantasiespielen, den Fragen, Gebeten und dem kecken Ritt auf dem Steckenpferd war sie ganz bei sich. Da brach das komödiantische Talent förmlich aus ihr heraus.Mit den wechselnden Farben ihres klaren, instrumentalen, hellen Mezzosoprans, in bewegter Mimik und kleinen Gesten skizzierte sie die skurrilen, kindlichen Erlebnisse, dämmerte in den Halbschlaf, trotzte und sprudelte über, wobei Kind und Amme leibhaftig erschienen. Schon in Maurice Ravels hebräischem Lied "Mejerke, mein Sohn" hatte die Kozená´ ihre "Dialogstärke" genutzt und eine kleine Szene geschaffen.Besondere Intensität gewannen auch die beiden ebenfalls hebräischen Melodien Ravels. Das kurze, weise "Ewige Rätsel" und das von der Kozená´ mit Inbrunst zu fast archaischer Größe geführte "Kaddisch". Ansonsten baute sie vorwiegend auf Stilgefühl und technische Sicherheit. Malcolm Martineau begleitete die Sängerin hochmusikalisch und äußerst sensibel. Er schuf schwerelos-unwirkliche Stimmungen, "tupfte" all jene feinsten Farbchangierungen auf, die den Liedern von Ravel und Debussy ("Chansons de Bilitis") ihren fragilen Zauber geben, und ließ sie am Ende zerwehen wie einen Hauch. Und versäumte darüber nicht, auch als motorischer "Antriebspartner" zu fungieren.Großer, begeisterter Applaus und Zugaben: ein allzu manirierter Strauss ("Morgen") und das Trinklied aus Ravels "Don Quixote", das die Kozená´ als Chansonette outete.

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