Königliche Unterhaltung

München - Mit „The King’s Speech“ startete die Münchner Komödie im Bayerischen Hof in die neue Spielzeit. Lesen Sie hier die Premierenkritik:

Die Münchner Komödie im Bayerischen Hof ganz im Fokus. War es der Oscar-prämiierte Film „The King’s Speech“ von 2010 (zuletzt am Samstag im BR-Fernsehen) oder noch mehr „Focus“-Verleger Helmut Markwort, der in der Bühnenversion Winston Churchill spielt – jedenfalls war mit Bayerns scheidendem Kunstminister Wolfgang Heubisch, den Verlegern Per Lauke (Ahn und Simrock, Inhaber der Aufführungsrechte), Hubert Burda und Dirk Ippen (Münchner Merkur/tz) die Prominenz-Dichte im Premieren-Publikum beträchtlicher als sonst. Und euphorisch anhaltend der Applaus für diese von Helmuth Fuschl inszenierte „Rede des Königs“, für „King“ Götz Otto und Kollegen.

Man sollte eigentlich für diese zwei Stunden den Film vergessen. Was verdammt schwierig ist. David Seidlers Drehbuch, Tom Hoppers Regie, Colin Firths Darstellung als stotternder britischer Thronanwärter und Geoffrey Rush als dessen Sprachtherapeut sind einfach überragend. Seidler hatte als Kind ja selbst durch einen Schock zu stottern begonnen. Immerhin ist auch das Theaterstück von ihm. Bereits 1980 geschrieben, sollte es auf Bitte von Queen Mum, der Witwe Georges VI., erst nach ihrem Tod zur Veröffentlichung freigegeben werden.

Margit Bönisch konnte für ihre (nicht subventionierte!) Komödie mit einer Starbesetzung, dem international beschäftigten Götz Otto, aufwarten. Der 1,96 Meter große Schauspieler, sehr präsent in seiner hier nach innen genommenen Körperlichkeit, hundert Prozent eingestiegen in die integre, sensible, aber auch jähzornige Persönlichkeit des Herzogs von York, wirkt nie unecht in seinem Stottern. Trägt diesen Abend – allein. Natürlich ist er die Zentralfigur. Dennoch hätte Helmuth Fuschl die anderen Darsteller etwas aus ihrem Stichwortgeber-Schatten herausholen können. Dass er den zeitgeschichtlichen Hintergrund – Tod Georges V., Premierminister-Wechsel, Abdankung König Edwards VIII. wegen der großen Liebe Wallis Simpson, Kriegseintritt – in recht spröde stilisierter Aufsageform und mit (Hitler-)Bandeinspielungen einholt, geht noch hin. Aber bei der Rolle der Herzogin von York (ziemlich allein gelassen: Genoveva Mayer) würde man gerne etwas mehr warmherzige Fürsorge sehen. Fuschl macht doch ganz offensichtsichtlich sonst Zugeständnisse an ein Komödienpublikum, das sich – heißt es immer – nicht mit harten ernsthaften Sujets die Entspannung nehmen lassen will: Der Thron-Verzichter David Prince of Wales von Herbert Schäfer torkelt erstaunlich un-aristokratisch, ganz proletarisch angetrunken über Thomas Peknys abstrakte Kunststoff-Metall-Einheitsbühne. Auch den australischen Sprachtherapeuten Lionel gibt Steffen Wink volksnah rustikal – ein bisserl zu sehr. Diesem gestandenen und (was wichtig ist) sympathischen Schauspieler hätte man in dieser Rolle mehr charakterlichen Bodensatz zugetraut. Trotzdem: Im Dialog zwischen ihm und Götz Otto lebt man den Leidensprozess des frühkindlich geschädigten Herzogs mit, der sich zu dem Selbstbewusstsein eines zukünftigen Königs durchkämpft.

Seine Auftritte als König George V. und als Churchill bringt der seit Schülerzeiten passionierte Hobby-Schauspieler Helmut Markwort bewundernswert textsicher. Und wenn’s ein bisschen amateurhaft wirkt, so hat es zumindest exotisches Flair.

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen

bis 2. November;

Telefon 089/ 29 16 16 33.

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