Singender König für Allgäu-Touristen: Matthias Stockinger als Ludwig II. foto: dpa

Kini-Musical: Der dritte Versuch

Kempten - „Ludwig II.“ kehrt für vorerst einen Sommer ins Allgäu zurück. Das Musical nimmt die Musik der gescheiterten Inszenierung aus Füssen von 2005 und macht aus dem Stück ein Krimi.

Die Idee von einem Musical über die schillernde Gestalt von König Ludwig II. scheint die Allgäuer nicht loszulassen. Zwei Versuche, das kurze Leben des Kini auf die Bühne zu bringen, gab es bereits. Doch zweimal wurde der Spielbetrieb in dem eigens erbauten Musical-Theater in Füssen wegen Geldnot und ausbleibender Zuschauer eingestellt. Im 125. Todesjahr kehrt der Märchenkönig jetzt auf die Bühne zurück - allerdings nicht mehr in Füssen, sondern in Kempten. Die Neuinszenierung „Ludwig 2 - Der König kommt zurück“ ist von diesem Donnerstag an bis 28. August in der Veranstaltungshalle BigBox zu sehen.

„Faszinierender und aufregender als jemals zuvor“ wird auf Plakaten geworben. So richtig neu ist die Sache allerdings nicht. Die Musik stammt vom Vorgänger-Musical, das 2005 in Füssen Premiere feierte. Konstantin Wecker, Christopher Franke und Nic Raine haben sie geschrieben. Auch viele Akteure vor und hinter der Bühne waren bei „Ludwig² - Der Mythos lebt“ schon dabei. Das Stück selbst wurde jedoch stark überarbeitet, wie Produzent Gerd Fischer sagt. „Der Plot bleibt zwar der gleiche, aber die Geschichte ist anders erzählt. Es ist eher ein Krimi als ein Heimatstück.“ Neu seien auch Kostüme, Requisiten und das Bühnenbild. „Moderner, frischer, pfiffiger“, sagt Fischer.

Einige Figuren, die es im vorherigen Stück noch gab, fielen weg, andere kamen hinzu. „Man ist jetzt schneller in der Königszeit von Ludwig“, erläutert Fischer. Neu sei auch, dass einige Originalzitate des Königs verwendet werden. Die Regie hat Gerhard Weber, Intendant des Theaters Trier, übernommen. Fischer, der bereits als Produzent des Vorgänger-Musicals dabei war und zudem Verleger des Stücks ist, freut sich naturgemäß darüber, dass das Musical wieder auflebt. Bewusst habe man sich für die Ferienzeit entschieden: „Wenn es uns gelingt, die Touristen zu gewinnen und wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist, wollen wir es 2012 wiederholen.“

Die beiden Vorgänger-Musicals, die im Füssener Festspielhaus aufgeführt wurden, arbeiteten nicht wirtschaftlich genug. „Ludwig II. - Sehnsucht nach dem Paradies“ feierte im April 2000 Premiere. Nach einer Laufzeit von drei Jahren war man pleite. Ein Schuldenberg von rund 24 Millionen Euro hatte sich angehäuft, etwa 330 Mitarbeitern wurde gekündigt. Nach langwierigen Verhandlungen waren Allgäuer Unternehmer als neue Gesellschafter eingesprungen und hatten ein zweites Musical finanziert. Doch auch „Ludwig²“ hatte nur mäßigen Erfolg. Nach knapp zwei Jahren musste es im März 2007 mit über zwölf Millionen Euro Schulden Insolvenz anmelden.

Birgit Klimke

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Hamlet ist Richter und Henker“
München - Gleich zum Auftakt des Jahres lassen es die Münchner Theater krachen. Wenige Tage nach „Macbeth“ am Residenztheater folgt in den Kammerspielen ein weiterer …
„Hamlet ist Richter und Henker“
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
München - Wer das Wort „fantastisch“ im Namen führt und auszieht, sein Best-of unters Volk zu bringen, der hängt die Messlatte hoch. Die Fantastischen Vier erfüllen den …
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
Im Reich von Mode und Magie
Zürich - Spätestens seit dem Terroristen-Epos „Carlos“ ist der französische Filmemacher Olivier Assayas auch deutschen Kinofans ein Begriff. Sein preisgekröntes Drama …
Im Reich von Mode und Magie
Mordmotor mit Unwucht
Andreas Kriegenburg inszenierte William Shakespeares „Macbeth“ fürs Münchner Residenztheater
Mordmotor mit Unwucht

Kommentare