Eröffnungsgala

Kino essen, trinken, atmen

München - Am Freitagabend startete im Mathäser mit Jean-Pierre Jeunets „Die Karte meiner Träume“ das 32. Filmfest München.

Die Welt ist ein Abenteuer – vor allem, wenn man sie mit den Augen eines zehnjährigen Buben betrachtet, der sich auf eigene Faust aus seinem Heimatkaff im amerikanischen Nirgendwo nach Washington D. C. aufmacht. Ja, T. S. Spivet folgt ganz eindeutig der „Karte seiner Träume“, und davon erzählt uns in traumhaften 3D-Bildern Jean-Pierre Jeunet. Mit dem neuen Film des französischen Regisseurs wurde am Freitagabend im Münchner Mathäser vor rund 1500 Gästen das 32. Internationale Filmfest München eröffnet. Jeunet, der mit seinem jungen Hauptdarsteller Kyle Catlett den Fans und Fotografen am roten Teppich zuwinkte, ist in München kein Unbekannter: Mit seinem Welterfolg „Die fabelhafte Welt der Amélie“ wurde das Filmfest 2001 eröffnet – und Jeunets Hauptdarstellerin Audrey Tautou zum Star. Auch damals verzauberte der Regisseur mit einem Märchen, das er im Alltag entdeckte.

„Acht Tage und Nächte lang werden wir Kino essen, trinken, atmen – und natürlich darüber sprechen“, versprach Festivalchefin Diana Iljine bei ihrer Begrüßung im Mathäser. Dazu hat sie, wie berichtet, 158 Filme aus 51 Ländern ausgewählt, die bis 5. Juli gezeigt werden. Viele Werke werden von den jeweiligen Regisseuren und Schauspielern vorgestellt. „Was unterscheidet ein Filmfest von einem normalen Kinobesuch?“, fragte Iljine. „Man kann die Filmemacher im Kino und im Festivalcenter treffen und mit ihnen reden.“ Wer die Künstler kenne, könne deren Werke „offener und anders“ betrachten. Das sei ein bisschen so, als würde man einen Maler in seinem Atelier besuchen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer betonte anlässlich des Abends die Bedeutung der Veranstaltung für den Freistaat. „Das Filmfest ist ein Leitstern am bayerischen Medienhimmel – ein Leuchtfeuer für Kultur und Unterhaltung weit über Bayern hinaus“, lobte Seehofer. Daher würden die Stadt München und der Freistaat „viel Geld“ für die Unterstützung in die Hand nehmen: „Das stärkt den Medienstandort.“

Münchens Zweiter Bürgermeister Josef Schmid – er vertrat Oberbürgermeister Dieter Reiter bei der Gala – unterstrich in seiner Rede den offenen Charakter des Filmfests als Ort der Begegnung, des Austauschs: „Es ist ein Publikumsfestival per excellence, dem trotz eines Jahr für Jahr mit großer Kennerschaft zusammengestellten Programms Elitäres und Abgehobenes fremd ist. München kann wahnsinnig stolz auf dieses Filmfest sein.“

Schmid ging auf zwei Höhepunkte in diesem Jahr ein: die beiden Werkschauen der Münchner Filmemacher Willy Bogner und Klaus Lemke. Regie-Rebell Lemke, der ausgerechnet mit seinen Hamburg-Produktionen vertreten ist, habe „der Münchner Filmszene seinen Stempel aufgedrückt. Auf eine unangepasste und – wie ich finde – in dieser Unangepasstheit auch sehr münchnerische Art und Weise.“ Lemke selbst freilich ließ sich am Freitag nicht im Mathäser blicken, wo er in den vergangenen Jahren noch konsequent gegen die Nicht-Beachtung seiner Filme protestiert hatte. Er dreht derzeit in Berlin, wie er auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, wird aber von Montag an bei der Vorstellung aller seiner Werke dabei sein. Schließlich gebe es beim Film „immer mehr aufs Maul als Küsse im Dunkeln“. Details will er dann beim Filmfest verkünden.

Michael Schleicher, Christian Deutschländer und Felix Müller

Rubriklistenbild: © dpa

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