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"Wie die Jungfrau zum Kind" kam Filmregisseur Marcus H. Rosenmüller zur Oper.

Rossinis "Le Comte Ory"

Kino-Mann Rosenmüller debütiert in München als Opernregisseur

München - Marcus H. Rosenmüller inszeniert fürs Opernstudio der Bayerischen Staatsoper Gioachino Rossinis vorletztes Bühnenwerk „Le Comte Ory“. Lesen Sie das Gespräch zur Premiere.

Schon im Moment, in dem man ihm die Hand gibt ist klar: Marcus H. Rosenmüller ist Feuer und Flamme für die Sache. Premiere von Gioachino Rossinis vorletztem Bühnenwerk „Le Comte Ory“ ist am kommenden Sonntag im Cuvilliéstheater. Mit blitzenden Augen und unruhig-agiler Körpersprache erzählt „Rosi“, wie es zum Operndebüt gekommen ist. „Es hat einfach zeitlich perfekt zwischen den Nockherberg und meinen nächsten Filmdreh gepasst.“

Die Anfrage, fürs Musiktheater tätig zu werden, hat es schon einmal gegeben. Terminprobleme verhinderten jedoch das Projekt. Ansonsten kam der 41-Jährige zur Oper „wie die Jungfrau zum Kind“. Während seiner Münchner Studentenzeit ist er zwar hin und wieder ins Nationaltheater gegangen, wenn befreundete Abonnenten keine Zeit hatten – ein richtiger Fan allerdings war er nicht.

Nach der Anfrage für den Rossini hat sich Rosenmüller intensiv mit dem ihm zuvor unbekannten Werk beschäftigt. „Die Musik hat mich sofort tief berührt“, sagt er. Beim Libretto stellte er schnell Ähnlichkeiten mit seinem Film über Emanuel Schikaneder („Sommer der Gaukler“) fest. „Der Comte Ory ist auch so ein Stenz, der umeinander strawanzt, hinter schönen Frauen und Genuss her ist. Er nimmt das Leben leicht.“

Marcus H. Rosenmüllers Inszenierung der Rossini-Oper spielt auf einer Bowling-Bahn.

Ory versucht im Stück mit allen Mitteln, die adelige, keusche Adele zu erobern. „Natürlich reizt ihn genau die Frau, die er nicht so ohne Weiteres haben kann“, meint Rosenmüller. Und das sei der zweite Blick hinter die Fassage, der ihn herausgefordert habe: das Gefangensein Adeles in gesellschaftlichen Normen und die Verführung, aus diesen Konventionen auszubrechen. Was wäre, wenn es diese moralischen Parameter nicht gäbe? Wie würde sich Adele dann verhalten?

Der Graf ist bei Rosenmüller ein Rockmusiker, der Adele in einer Bowlingbahn umgarnt. Warum dort? „Wir haben überlegt, bei welchen Sportarten schnell erotischer Kontakt hergestellt werden kann. Und wenn man sich hinter jemanden stellt und ihm zeigt, wie er die Bowlingkugel zu führen hat – das ist doch schon ganz schön erotisch“, sagt Rosenmüller lachend. Also eine bunte, aufregende Mischung, die das Gefühlsleben der Charaktere ins Zentrum rückt.

Ob die Bowlingbahn auf der Bühne des Cuvilliéstheaters auch funktionstüchtig sein wird, wollte Rosenmüller nicht verraten. Sehr angetan ist der Ideen-Geysir aus Hausham jedenfalls von der Spielfreude der jungen Sängerinnen und Sänger des Opernstudios: „Die hätten ja auch sagen können: Bowlingbahn – ja spinnt der?“

Die musikalische Leitung hat Oksana Lyniv, Assistentin von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. Rosenmüller ist begeistert von ihr: „Sie hat mich immer wieder dazu angehalten, keine Scheu zu haben, die Sänger auch szenisch vor Herausforderungen zu stellen. Für manche musikalische Stellen hat sie mir die Ohren geöffnet und mich dadurch auf neue Regieeinfälle gebracht.“ Das Tempo auf den Proben war sehr hoch. „Ich bin kein Theoretiker, der sich so was am Schreibtisch erarbeiten kann“, sagt Rosenmüller. Normalerweise geht er mit seinen Schauspielern vor Drehbeginn erst einmal auf einen Bauernhof. Dort werden dann Textstellen adaptiert und Szenen umgestellt. Im Opernstudio-Fall hieß der Bauernhof Münchner McGraw-Kaserne.

Rosenmüller hat sich in Rossinis Musik verliebt

Dass er das Drehbuch nicht selbst schreiben konnte, sondern an ein Libretto gebunden war, ist für den Regisseur kein Problem. „Es war eine gute Übung, meine Geschichte im Rahmen eines festen Korsetts zu erzählen. Das ist wunderbar aufgegangen.“ In Rossinis Musik hat er sich regelrecht verliebt. Sie helfe über Tiefs bei den Proben und treibe immer wieder an. „Mich wundert, dass das so selten gespielt wird. Zu Beginn habe ich die Staatsoper noch gefragt, ob ich meinen Komponisten Gerd Baumann mitbringen soll“, zwinkert Rosenmüller.

Für ihn Ungewohntes wurde schnell geklärt. „Nach vorne Richtung Rampe zu singen, ist nicht schlecht, das wurde mir gleich klar gemacht.“ Aus dem Haus hört man übrigens, Rosenmüller singe in den Proben dem Tenor bereits voller Elan seine Arie vor, um ihm Sachen zu verdeutlichen. „Was heißt da nur dem Tenor“, lacht der Regisseur, „den anderen schon auch“. Ins Abenteuer Oper hat sich Rosenmüller jedenfalls mit Haut und Haar reingeschmissen, anders könnte er es sicher auch nicht. Die Zuschauer möchte er unbedingt mit ins Boot holen. Gegen das Publikum zu inszenieren, darauf habe er keine Lust. „Mal schauen, ob sich das ändert, wenn’s ihnen nicht gefällt.“ Und wieder blitzt es schelmisch in „Rosis“ Augen.

Premiere

am 12. April im Cuvilliéstheater (ausverkauft); Karten nur noch für die Vorstellungen am 18. und 21. Juni, Verkauf ab 18. April unter Telefon (089) 2185-1920.

Maximilian Maier

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