Neu im Kino: Sacha Baron Cohen als „Brüno“

Womöglich wäre es am besten gewesen, Sacha Baron Cohen hätte das Projekt abgebrochen. Als schwuler österreichischer Fashion-Reporter Bruno maskiert wollte er die Modewelt vorführen, aber er flog früh auf.

Danach versuchte er sein Glück in Hollywood als Boulevard-Reporter, um der „größte österreichische Superstar seit Hitler“ zu werden, aber die Branche war gewarnt. Cohen machte trotzdem weiter, suchte als aufdringliche Tunte Durchschnittsmenschen heim und das Resultat ist leider nicht annähernd so komisch wie seinerzeit bei seinem filmischen Amoklauf „Borat“.

Hatte Cohen damals noch kontrolliert und angepasst an die jeweiligen Gesprächspartner die Situation eskalieren lassen, walzt er hier aggressiv alles um sich zu Boden, womit er seine eigenen Pointen sabotiert.

Cohen rührt als „Brüno“ weltweit die Werbetrommel

Heiß, heißer, Brüno

Es gibt nur selten wirklich komische Interaktion, im wesentlichen wütet Cohen mit schrillen Tabubrüchen, was auf die Dauer ein wenig ermüdet. Nicht zuletzt weil es letztlich keine echten roten Faden oder einen Spannungsbogen gibt. Lachen muss man dennoch immer mal wieder, schlichtweg, weil Cohen ein Mann ohne Nerven ist. Seine private Nahost-Mission bei der er israelische und palästinensische Politiker dazu bringt über die Qualität von Humus zu debattieren ist wunderbar, ebenso die Aufnahme des schlimmsten Charity-Songs aller Zeiten, bei dem Stars wie Bono, Sting oder Elton John ungewohnte Selbstironie beweisen und mitsingen. Übrigens hat man garantiert mehr Spaß in der Originalversion, alleine schon weil Cohen ziemlich viel Deutsch spricht – oder was er dafür hält.

Zoran Gojic

Bewertung: ***

Rubriklistenbild: © ap

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