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Mehr Hirte als Herrscher: Papst Franziskus lässt sich über den Petersplatz in Rom fahren.

Neues Buch

Wie Papst Franziskus der Kirche das Atmen beibringt

München - Noch keine 50 Tage ist Papst Franziskus im Amt, und der Pontifex aus Argentinien hat die Weltkirche schon ordentlich durcheinander gewirbelt. Wer ist dieser Jorge Mario Bergoglio – und was steckt hinter der Wahl des Namens Franziskus? Antworten dazu gibt ein Buch aus dem Hirmer Verlag.

Es war ja schon fast unerhört, als am Abend des 13. März 2013 bekannt wurde, welchen Namen sich der neu gewählte Papst ausgesucht hat: ausgerechnet Franziskus! Keiner der 265 Vorgänger von Jorge Mario Bergoglio hatte sich getraut, den Namen dieses ebenso beliebten wie radikalen Heiligen auszuwählen. Zu groß war die Sorge, an den Maßstäben zu scheitern.

In dem Buch „Franziskus – der neue Papst und sein Vorbild“, das im Münchner Hirmer Verlag erschienen und seit heute erhältlich ist, wird in Wort und Bild fachmännisch und anschaulich erklärt, welches Programm der neue Papst mit seiner Namenswahl verfolgt.

Der Jesuit Andreas R. Batlogg, Chefredakteur der Jesuiten-Zeitschrift „Stimmen der Zeit“, zeichnet ein von großer Kenntnis zeugendes Porträt des 76-jährigen Argentiniers, des ersten Jesuiten auf dem Stuhl Petri. „Bergoglio hat sich immer als ,Pastoralista‘ verstanden: Arme und Benachteiligte waren ihm ein Herzensanliegen, er nahm sie wahr, er gab ihnen Rückendeckung, er intervenierte, er setzte sich ein. Er mag nicht, wie sei Vorgänger, ein brillanter Theologe sein. Aber: Mehr Hirte als Herrscher, mehr Pastoral als Theologie, weniger liturgischer Prunk, das kann dem Amt nicht schaden.“ Batlogg erinnert daran, dass Bergoglio als junger Mann nach einer schweren Lungenerkrankung das Atmen neu lernen musste. „Ähnlich muss auch die Kirche jetzt neu lernen, aus der Kraft des Gottesgeistes zu atmen.“

Eindringlich schildert der Kapuziner Nikolaus Kuster das Leben des Heiligen Franziskus – illustriert mit den wunderbaren Giotto-Fresken aus der Kirche San Francesco in Assisi. Die atemberaubende Geschichte eines wohlhabenden jungen Mannes, der sein bequemes Leben aufgibt, um nur noch für die Armen da zu sein. Kuster gelingt es, die Aktualität des radikalen Heiligen, der sich sogar vor dem Papst zu rechtfertigen hatte, zu vermitteln. „Das sozial und kirchlich Revolutionäre dieser Spiritualität zeigt seine Konsequenzen im Vergleich zum patriarchalen Modell Benedikts (des Ordensgründers; Anm. der Red.), das die hierarchische Kirche bis heute leitet“, schreibt Kuster. Galt unter Benedikt – wohl auch unter dem bayerischen Papst Benedikt XVI. – eine Hierarchie unter klaren Regeln, „wird Franziskus mit seiner Bewegung die Kirche in der Nachfolge eines geschwisterlichen Gottessohnes prägen“. Überraschungen sind unter Papst Franziskus also weiter programmiert.

Wie etwa auch die überraschende Berufung des Münchner Kardinals Reinhard Marx in ein achtköpfiges Beratergremium des Papstes. Der Münchner Erzbischof, der für ein Vorwort zu dem Buch gewonnen werden konnte, stellt die faszinierende Gestalt des „kleinen, großen Heiligen aus Assisi“ heraus. „Zum ersten Mal in der Geschichte wählt ein Papst diesen vermeintlich schwachen und in seiner Demut starken Heiligen zur persönlichen Leitfigur“, schreibt Marx. Eine Figur, die mit ihrer radikalen Art, das Evangelium zu leben, „zugleich fasziniert und erschreckt und dadurch infrage stellt“. Der katholischen Weltkirche steht unter dem neuen Papst aus Argentinien ein spannender Weg bevor. Das verspricht auch die kurzweilige Gegenüberstellung von Papst Franziskus und dem liebenswert verrückten Franziskus von Assisi in dem herrlich illustrierten Buch.

Von Claudia Möllers

Andreas R. Batlogg, Nikolaus Kuster: „Franziskus – der neue Papst und sein Vorbild“. Hirmer Verlag, München, 84 Seiten; 9,90 Euro. Das Buch ist ab Freitag auch in den Geschäftsstellen unserer Lokalredaktionen erhältlich.

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