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Kirill Petrenko will in München an 40 Abenden dirigieren: „Ich weiß, dass ich Verantwortung übernehme für ein sehr großes Haus – und die möchte ich übernehmen.“

Kirill Petrenko: „Ich werde sehr präsent sein in München“

München - Man zuckt fast ungläubig zusammen, wenn zwischen Intendant Nikolaus Bachler und Kunstminister Wolfgang Heubisch der heiß umworbene Kirill Petrenko den Königssaal in der Münchner Oper betritt:

Haben sie es also wirklich geschafft, diesen zurzeit vielleicht begehrtesten aller jungen Dirigenten für die Bayerische Staatsoper zu gewinnen! Petrenko (38) wird mit einem Fünfjahresvertrag von der Saison 2013/14 an Bayerischer Generalmusikdirektor (Nachfolger von Kent Nagano). Vielen ist er ja schon bekannt. Wer ihn nicht an der Berliner Komischen Oper gehört hatte, die er fünf Jahre leitete, der wurde von Petrenkos Jana(c)ek in München und dem anschließenden Akademiekonzert überzeugt. Vor allem dem Orchester, das für ihn nach diesem Konzert von den Stühlen sprang, hatte man angemerkt, wie glücklich es über die Zusammenarbeit war und wie sehr es auf Fortsetzung drang. Entsprechend muss der Jubel bei Orchester und Chor gestern gewesen sein.

„Sehr sehr aufgeregt“ sei er, sagte Petrenko. „Beim Dirigieren dürfte ich nicht so wackeln wie meine Stimme jetzt. Ich weiß, dass ich Verantwortung übernehme für ein sehr großes Haus - und die möchte ich übernehmen. Das bedeutet für mich als Dirigent, unter höchsten Ansprüchen Oper zu machen mit den besten Sängern und einem Orchester, das mit größter Herzenshingabe musiziert. Mit allen Menschen, die mir hier begegnen, möchte ich diesen Weg gehen.“ Als er in der vorigen Saison die „Jenufa“ machte, klang es noch anders. Da war er froh, der Berliner Amtsgeschäfte ledig zu sein. Auf den Einwand, niemand sei so unfrei wie ein Freier, sagte er, er wolle es ausprobieren und weiß nun: „Ich war gar nicht frei, eher im freien Fall. Ein Leben aus dem Koffer. Mangelnde kontinuierliche Kommunikation mit immer wechselnden Partnern. Ich merkte, dass ich ein besserer Dirigent bin, wenn ich mit einem Haus und einem Orchester auf längere Sicht zusammenarbeite. Ich werde sehr präsent sein in München, mindestens 40 Abende dirigieren.“ Sein Repertoire? Das in München Gewünschte: „Wagner, Mozart, die Italiener, Zeitgenössisches. Für mich ist es das Schönste, mich in mehreren Sprachen auszudrücken. Nur bei den Franzosen, deren Sprache ich nicht spreche, halte ich mich zurück.“

Eine Schwierigkeit gibt es: Petrenko ist als nächster „Ring“-Dirigent für Bayreuth auserkoren (2013). Fix ist noch nichts, aber es wird wohl darauf hinauslaufen, was für seine Präsenz bei den Münchner Festspielen (in Bayreuth wird dann geprobt) auf Jahre Folgen hätte. Petrenko: „Künstlerisch wäre Bayreuth sehr wichtig für mich, und ich würde mich mit aller Kraft hineinstürzen.“ Heubisch sieht sich als bayerischer Minister und daher auch Bayreuth für seinen GMD als Heimspiel, und Bachler findet: „Elf Spielzeitmonaten kann Petrenko seinen Stempel aufdrücken. In den Festspielen kommen dann eben mal andere dran.“

Wichtig: Wird er bei der Regisseurfrage ein Mitspracherecht haben? „Mitsprache-Plicht!“, sagt Bachler - und Petrenko: „Ich sehe Regisseur und Dirigenten als ein Team in einem Boot bei der Fahrt über einen Fluss. Der Dirigent muss von Anfang an dabei sein. Wenn einer in der Mitte der Fahrt aussteigt, kippt das Boot. Also Team-Arbeit vom ersten Tag an.“ - Die erste Premiere unter Kirill Petrenko ist am 21. November 2013. Was, wird noch nicht verraten.

Beate Kayser

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