Kirschwasser, Wodka und Sekt

- Manchmal mischt sich eine Spur von Traurigkeit in sein Spiel, aber die wischt Oscar Peterson mit ein paar raschen Fingerbewegungen hinweg. Nur er allein spürt, wie viel Willenskraft die Leichtigkeit ihm abverlangt. "Ich werde spielen, bis ich vom Schemel falle", versprach der kanadische Jazz-Pianist 1993. Das war kurz nach seinem Schlaganfall, der die Fangemeinde des Kanadiers weltweit erschütterte. Am Montag, 15. August, wird er 80 Jahre alt. Überschäumende Spielfreude bescheinigen ihm Kritiker nun schon seit fast sechs Jahrzehnten ebenso wie ein ungebrochenes Talent zur Improvisation, Ideenschwung, Virtuosität und technische Perfektion.

Die Grundlage seines Welterfolgs war und ist im hohen Alter mehr denn je eiserne Disziplin. Schon als Junge übte Oscar Emmanuel Peterson, der in Montreal als eines von fünf Kindern eines Gepäckträgers der Canadian Pacific Railways aufwuchs, acht Stunden am Tag. Er kenne nur einen Musiker, der ohne Proben auskomme, pflegt Peterson dem Nachwuchs mit auf den Weg zu geben. Der heißt Gabriel und hat Flügel.

Seine Karriere als Berufsmusiker begann Peterson mit 17 Jahren. Als einziger Schwarzer spielte er in Montreal und Umgebung zum Tanz auf - und musste immer wieder rassistische Beleidigungen hinnehmen. 1947 leitete er erstmals ein eigenes Trio. Der internationale Durchbruch kam zwei Jahre später, als Norman Granz ihn für die legendäre Konzertreihe Jazz at the Philharmonic in die Carnegie Hall nach New York einlud. Jahr für Jahr führten ihn seit Anfang der 60er-Jahre Konzertreisen in die Bundesrepublik. Mit zu den besten der unzähligen Schallplatten Petersons rechnen Kenner heute noch drei Live-Mitschnitte aus dieser Zeit. Die entstanden in einer Privatvilla in Villingen bei Kirschwasser, Wodka und Sekt. "

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