Klänge einer Sternennacht

München - Einen Weltraumspaziergang für jedermann ermöglicht die Ausstellung mit Licht-Arbeiten von Angela Bulloch im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses.

Sicher ist es nur ein Zufall, aber die Schau "The Space That Time Forgot" mit den leuchtenden Skulpturen und Projektionen der gebürtigen Kanadierin Angela Bulloch ist superaktuell. Die Besucher des Kunstbaus am Königsplatz können sich darin genauso fühlen wie die Astronauten, die jetzt durchs All sausen. Nur müssen die Kunstfreunde nicht unter Gefahren an einer Raumkapsel herumwerkeln, sondern können ganz entspannt den Blick auf den Blauen Planeten genießen.

Allerdings, so ganz entspannt ist der auch nicht; und hier kommt die zweite Aktualität ins Spiel. Denn während unser Auge die Kontinente abtastet - die Aufnahmen sind vom April vergangenen Jahres -, sucht es unweigerlich nach abschmelzenden Polkappen. Das Bewusstsein von einer drohenden Klimakatastrophe ist allgegenwärtig. Dazu passt der Titel der Schau. Er verweist auf einen Raum, der befremdlich und vereinsamt ist. Deshalb dreht die Künstlerin unseren Erdball wie einen jener aufblasbaren Urlaubs-Wasserbälle - schnell, leicht, unkontrolliert. Da zieht kein solider Planet gemächlich seine Bahn.

Von zwei Seiten einsehbar rotiert diese Kugel im schwarzen All des Kunstbaus, zum Teil begleitet von Sternen und Meteoriten, deren Umrisse aus dem Dunkeln leuchten (Elektroluminiszenz-Kabel). Diese stereometrischen Figuren, die die Mathematik als Platonische Körper (Hexaeder, Tetraeder etc.) kennt, verdeutlichen, dass Angela Bulloch (Jahrgang 1966) nicht so sehr an tagespolitischen Aussagen interessiert ist, eher an Phänomenen wie Unendlichkeit, Wahrnehmungsstandpunkten und Denkmodellen, die all das erklären. Deswegen zitiert sie auch Kollegen wie den Minimalisten Fred Sandback mit seinen Faden-Skulpturen - bei ihr Leuchtdrähte - und die Farbquadrate der klassischen geometrischen Abstraktion.

Damit wurde Bulloch bekannt: Sie übersetzte das malerische Quadrat und das Pixel des digitalen Bildes in ein leuchtendes Quadrat. Aus 48 Pixelboxen fügte sich eine Wand (2002/04). Mit dem Lichtsystem in den Würfeln können 16 Millionen Farben erzeugt werden. Dieses Lichtspiel, "Z Point", zitiert zusätzlich den Film. Acht Minuten aus Antonionis "Zabriski Point" werden darin extrem gedehnt und vergrößert. Was bleibt, ist der bewegte Zauber weicher Farbtöne. In München setzen sie sich fort in einer Reihe geknickter Würfel, die im steten Wandel kräftige Farben setzen. Richtige Töne zu den Farben gibt es außerdem. Michael Iber hat mit dem Computer die Musik zu "Z Point" für München zu einem durch die Halle laufenden Klangerlebnis auf 24 Kanälen verwandelt - zwischen Gitarrenriffs und Sphärenklängen.

Dieses Zusammenspiel von Musik, Sternenwelten und mathematischen Figuren erinnert uns an die alte Vorstellung von einer alles umfassenden Harmonie, in der das Kleinste und das Größte sozusagen auf gleicher Wellenlänge schwingen. Und gerade darin löst sich für den Betrachter all das Konzeptionelle, Philosophische und Geometrische auf in eine wunderschön sinnliche Kunst, die von Bulloch für die unterirdische Halle perfekt inszeniert wurde. So kann man sich schlichtweg hingerissen dem pulsierenden Sternengeglitzer hingeben, egal ob wir vom Merkur oder von Gleise 581 C aus in den korrekt wiedergegebenen Himmel schauen.

Von morgen bis 18. Mai,

Tel. 089/ 23 33 20 00, Katalog: ab Ende März.

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