Klage um die Vergänglichkeit

- Am Ende zwei Pizzikato-Schläge von Bratsche und Cello, wie eine Totenuhr: Überall in die Musik Béla Bartóks scheint sie eingewoben, die Klage um die Vergänglichkeit des irdischen Daseins, auch in dem großen langsamen Satz, der sein zweites Streichquartett beschließt. Im Herkulessaal verlebendigten Isabel Charisius und Valentin Erben vom Alban Berg Quartett diese beiden Noten mit atemberaubender Präzision, entschlossen und desperat zugleich, fahl leuchtend. So gut gelang es den Bergs, aus Bartó´ks hochkomplexer Notentextur Bögen von teils fast spätromantisch-schwelgerischer Beredsamtkeit zu meißeln, dass man für Augenblicke vergessen mochte, dieses Stück als sperrig empfunden zu haben.

Um Bartók herum gruppierten sich Werke von Mozart, das erste und das letzte aus der Reihe der sechs Joseph Haydn gewidmeten Streichquartette. Ein plastisches, klangredendes Spiel auch hier, ein rasches, fast unruhiges Einherschreiten im Andante cantabile des G-Dur-Quartetts KV 387, ein genüssliches Auskosten der harmonischen Kühnheiten im langsamen Satz des Quartetts C-Dur KV 465, des berühmten "Dissonanzen"-Quartetts. Auch dessen rätselhaft-düstere Adagio-Einleitung gingen die vier mit fiebriger Entschlossenheit an, andante-nervös; Günter Pichlers hell timbrierte erste Violine die dissonanten Haltetöne schmerzlich vibratolos beginnend; Gerhard Schulz an der zweiten Geige wärmere, dennoch traurige Töne hinzufügend.

Isabel Charisius, Nachfolgerin des verstorbenen Thomas Kakuska, brillierte, junge Frau unter drei älteren Herren, als Gleiche unter Gleichen mit kraftvoll-sonoren Bratschen-Melismen. Auch in seiner neuen Besetzung hat sich das Alban Berg Quartett seine maßstabsetzende Homogenität und Präzision erhalten.

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