Klang gewordene Gefühle

- Im Mozart-Jahr dulden die Salzburger Festspiele nur wenige Götter neben dem großen Sohn ihrer Stadt, aber in einem Fall gewährte man dennoch eine Ausnahme. Zu seinem 80. Geburtstag wurde dort nun auch Hans Werner Henze mit einem Konzert geehrt, für das der Komponist dem Festival noch einmal ein Werk zur Uraufführung anvertraut hatte. Denn "Gogo no Eiko" ist wesentlich mehr als nur eine Überarbeitung seiner Oper "Das verratene Meer" aus dem Jahr 1990. Lediglich ein Drittel der ursprünglichen Partitur hat in dieser Neufassung überlebt, die sich nunmehr noch enger an der Vorlage des Japaners Yukio Mishima orientiert.

Dass Henze für seine erneute Annäherung an den Stoff nicht nur den originalen Titel "Gogo no Eiko" ("Der Seemann, der die See verriet") beibehält, sondern diesmal zudem auch das Libretto in japanischer Sprache belässt, scheint dem Publikum den Zugang auf den ersten Blick nur wenig zu erleichtern. Doch helfen in diesem Fall nicht nur die mehrsprachigen Übertitel zum Verständnis der Handlung, sondern vor allem die Musik Hans Werner Henzes, in der die Gefühlszustände der Protagonisten wahrhaft meisterlich eingefangen werden.

Ovationen  für den Meister

Diese Musik fand in Dirigent Gerd Albrecht einen denkbar starken Fürsprecher, der gemeinsam mit dem Orchestra Sinfonica der RAI selbst in dieser konzertanten Wiedergabe das dramatische Potential des Werkes offenlegte. Ebenso motiviert zeigte sich auch das Sängerensemble, aus dem vor allem Jun Takahashi mit seinem bewegenden Porträt des schüchternen Jungen Noboru und der markante Bariton seines Stiefvaters (Tsuyoshi Mihara) herausragten. Anders als in Henzes letztem Opernwerk "L'upupa", das vor drei Jahren ebenfalls im Rahmen der Festspiele an der Salzach aus der Taufe gehoben wurde, herrscht in "Gogo no Eiko" eine düstere Grundstimmung vor, die bereits in Mishimas Roman heraufbeschworen wird.

Man beobachtet eine Welt, in der Gleichgültigkeit und sinnlose Gewalt herrschen, Menschen aneinander vorbeireden oder sich gar nichts mehr zu sagen haben. Doch finden sind dazwischen für das Liebespaar Fusako und Ryuji immer wieder auch kurze Momente der Hoffnung, in denen sich Henze als vielleicht der letzte große Melodiker der Opernbühne erweist, der wie nur wenige seiner Kollegen für die menschliche Stimme zu schreiben versteht. Und auch wenn der Komponist das Podium am Ende nicht selbst betreten konnte, hatte ihn das Publikum dennoch schnell im Zuschauerraum ausfindig gemacht und mit Ovationen gefeiert.

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