Klang im Raum

- "Für das Publikum wollte ich eine intensive klangliche Erfahrung schaffen. Und ich hoffe, dass sich das kulturelle Erlebnis der Straße etwas in den Konzertsaal übertragen lässt und das Publikum zu einer Membran des Klanges wird." So der 1957 in Montevideo geborene Alvaro Carlevaro über "Levante.Piano", die als Auftragswerk der musica viva im Münchner Herkulessaal ihre Uraufführung erlebte. Carlevaro lässt in "Levante.Piano" den westeuropäischen Orchesterapparat, hier die BR Symphoniker unter Leitung von Lothar Zagrosek, und die sechs afro-uruguayische Candombe-Trommler "Perceum La Calenda" aufeinander treffen.

<P>In den dem Ein- und Ausatmen nachempfundenen ruhigen Flächenklang aus Streichern und Holzbläsern zu Beginn mischten sich nach drei Minuten von Ferne die Trommler, die dann formiert zu je drei Spielern rechts und links in den Herkulessaal zogen. Im Verlauf des Stückes werden so durch ständig rhythmische Strukturwechsel und durch ein Mit- und Gegeneinander unterschiedliche räumliche Eindrücke erzeugt, die ihr Ende mit einem Fortissimo der Trommeln außerhalb des Saals fanden. <BR><BR>Obwohl in der Orchesterbesetzung größer, mit dreifachem Holz und Blech, Harfe, Celesta, Perkussion und Streicher, sowie einem integriertem Soloensemble aus Klavier, Sopransaxophon und Perkussion (Trio Accanto), blieb die zweite Uraufführung des Abends, Salvatore Sciarrinos "Graffito sul mare", mit ihrem weitgehend statischen, sich in extreme Pianissimi bewegenden Klang eher matt. Wenngleich die Absicht des Sizilianers, einen heißen Tag am Meer mit plötzlichem Beben zu schildern, erkennbar war. <BR><BR>Das radikalste Klangerlebnis bot Iannis Xenakis' "Nekuia" für Chor (hervorragend der BR Chor) und Orchester, das sich mit dem Thema Krieg und Tod auseinander setzt, basierend auf Textfragmenten von Jean Paul und Françoise Xenakis, der Ehefrau des 2001 verstorbenen Komponisten. </P>

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