Klangfülle der Viola

- Wie bereitwillig sich Münchner Konzertabonnenten in die Regionen ein wenig abseits der ausgetretenen Pfade locken lassen und wie offen sie auch wenig glamouröse Interpreten empfangen, bewies der begeisterte Applaus im letzten Abo-Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks am Donnerstagabend im Münchner Gasteig.

<P> Manfred Honeck, ehemals Bratschist bei den Wiener Philharmonikern und seit einigen Jahren als Dirigent auf dem internationalen Parkett tätig, stand am Pult und begleitete einen Bratschen-Kollegen: Hermann Menninghaus, Solobratscher bei den BR-Symphonikern, stellte sich als Solist im selten zu hörenden "Harold en Italie" von Hector Berlioz dem Publikum. <BR><BR>Es ließ sich begeistern vom warmen, fülligen Ton seiner eigens für ihn gebauten großen Viola. Nicht Virtuosität ist hier gefragt, sondern vielmehr musikalische Selbstbehauptung (aller Bescheidenheit des Solisten zum Trotz) und Kantabilität, die Menninghaus in den ersten Sätzen sanft aussang. Ein Glück, dass er in Honeck einen Verbündeten hatte, der die prall-bunten, lärmenden Momente (schon am Ende des ersten Satzes) und das heroisch-dramatische Auftrumpfen im letzten durchaus zuließ, aber nicht das Knallige zum Selbstzweck machte, sondern den subtil gesetzten Weg dorthin fein auslotete. Dabei waren die BR-Symphoniker zuverlässige Partner, auch im solistischen Einsatz (Harfe, Holz). <BR><BR>Auch bei Sergej Prokofjews fünfter Symphonie überzeugte Manfred Honeck durch einen zwingenden Aufbau der Steigerungen bis hinein ins vielfache Fortissimo und die martialischen Gewalteinbrüche im Adagio. Darunter litten weder der zart-poetische Beginn der Symphonie noch die vom Orchester elegant ausgespielte Heiterkeit des zweiten Satzes (Scherzo). </P><P>Die intensiven Verschlingungen im dritten oder die rhythmisch grotesken Verzerrungen im vierten Satz gelangen vorzüglich, rundeten das harmonisch farbreiche Werk und machten es zum krönenden Abschluss. Verdis Ouvertüre zu "La forza del destino" hatte zu Beginn als Einspielstück gute Dienste im Hinblick auf die dynamischen Extreme und die feinen Übergänge geleistet. </P>

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