Klanggewalt mit Peperoni

- Für das unmittelbare Erleben von Musik hat sich die musica-viva-Reihe des Bayerischen Rundfunks mit ihrem jüngsten Konzert im Herkulessaal stark gemacht. Zumal, wenn wie in den Uraufführungen von Caspar Johannes Walters "Zeichnung" für Solovioline, vier Schlagzeuger und Orchester und Gerhard Stäblers "day by day" für zwei Schlagzeugsolisten, drei Vokalistinnen und großes Orchester das visuelle Erlebnis eigentlich unabdingbar ist.

<P>Walters "Zeichnung" versteht sich nicht als traditionelles Virtuosenkonzert, sondern als ein Miteinander von Orchester und Soloparts. Seine Musik entführt in eine mikrotonale Sphärenwelt, in der sich reiner Klang und Geräusch vereinigen. Die Sologeige (nuanciert von Ariadne Daskalakis gespielt) ist Mittelpunkt, eingebettet in das Schlagwerk, umschlossen vom Orchester. Langsam entfaltete Klanggewalt steht im Kontrast zu filigranen ätherischen Momenten, die beispielsweise durch die "geriebenen Gläser", mit denen das an diesem Abend ins Symphonieorchester des BR integrierte Schlagquartett Köln arbeitet, entsteht.</P><P>Aus einer Art Strandgutansammlung hat Stäbler in "day by day" einen Schlagwerkkomplex aus alter Gasolintonne, Gasflasche, Ölfass und großer Blechdose angeordnet, auf denen die Solo-Schlagzeuger Stefan Blum und Li Biao mit bloßen Händen arbeiten. Neben dem Spiel auf zwei eigenen Perkussion-Inseln erzeugen sie durch das Umschütten von Zement, Reis, Nudeln, Federn, Kaffeebohnen und Peperoni klanglich abgestufte Geräusche. Ergänzt wurde der Instrumentalklang durch das Vokalensemble "Belcanto". Stäbler präsentierte mit seiner auf Versen aus "Ithaka" und "Warten auf die Barbaren" des griechischen Dichters Konstantin Kavafis basierenden Komposition keine avantgardistischen Neuheiten, doch dirigierte die Britin Sian Edwards dies sehr spannend.</P><P>Im Kontrast zu den beiden Auftragswerken des Orchesters stand zu Beginn Wolfgang Rihms Komposition "Sub-Kultur" (1974). Das von Pauken dominierte, nach wie vor modern klingende Werk thematisiert ebenfalls Bedrohung und das Nicht-Geschicherte.</P>

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