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Was für eine traumhafte Sommernacht! Bei mediterranen Temperaturen feierte das glänzend aufgelegte Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im restlos ausverkauften ersten Konzert von Klassik auf dem Odeonsplatz ein rauschendes Musikfest.

Was für eine traumhafte Sommernacht!

Klassik am Odeonsplatz 2015: Die Kritik

München - Klassik am Odeonsplatz 2015: Julia Fischer begeistert 8000 Besucher. Hier lesen Sie die Kritik.

Was für eine traumhafte Sommernacht! Bei mediterranen Temperaturen feierte das glänzend aufgelegte Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im restlos ausverkauften ersten Konzert von Klassik auf dem Odeonsplatz ein rauschendes Musikfest. Mit spanischen Rhythmen heizten die Musiker dem Publikum ein, das sich bald schon wie auf einer iberischen Plaza fühlte.

Garniert von Roger Willemsens wie immer geistreichen und witzigen Moderationen wurden spanisch angehauchte Stücke von de Falla, Prokofjew, Debussy und Ravel kredenzt: lauter Kompositionen mit Kastagnetten-Klängen (ja, auch bei Prokofjew, auch wenn das manchem spanisch vorkommen mag). Ein Abend voller Pep – ohne Guardiola, aber dafür mit dem spanischen Star-Dirigenten Pablo Heras-Casado: Der Pult-Gipfelstürmer aus Granada, der mit seinem Vollbart ein wenig an Reinhold Messner erinnert, befeuerte die Musiker mit andalusischem Temperament und animierte sie zu engagiertem, präzisem, pointiertem Spiel.

Als Solistin hatte man ein echtes Münchner Kindl verpflichtet: Julia Fischer. Erfrischend, dass die Weltklasse-Violinistin nicht einen der üblichen Geigen-Gassenhauer im Gepäck hatte, sondern das zweite Violinkonzert von Prokofjew, über das Loriots Kunstpfeifer vermutlich sagen würde: „Das geht natürlich nicht so glatt ins Ohr wie Peter Alexander.“ Julia Fischer servierte das an- und aufregende Konzert mit Pfiff, Verve und atemberaubender Virtuosität – mal hauchzart, mal zupackend, aber ohne jede Effekthascherei: eine Künstlerin, die sich völlig in den Dienst der Musik stellt und in ihr aufgeht. Schon in den melancholiegetränkten Anfangstakten des ersten Satzes nahm sie mit ihrem betörend schönen Ton gefangen. Trunken vor Glück erlebte man im zweiten Satz, wie sie ihr Instrument zum Singen und Prokofjews „besoffen machende Melodien“ (Roger Willemsen) zum Blühen brachte. Und im dritten Satz rockte sie die Bühne mit elektrisierendem, rhythmisch akzentuiertem Spiel, als ob der Komponist Rockofjew heißen würde. Caramba!

Julia Fischer: mitreißende Interpretation von Ravels Tsigan

Danach präsentierte Julia Fischer zur Verblüffung des Publikums als Zugabe noch eine mitreißende Interpretation von Ravels Tsigane – eine mutige Wahl für ein Open-Air-Konzert, weil sie hier zunächst fünf Minuten lang 8000 Zuschauer mit sinnlichen Soloklängen in den Bann ziehen musste, ehe sie sich in wunderbarem Zusammenspiel mit dem Orchester in klug kon-trollierte Raserei steigerte. Dabei bewältigte sie die immensen Schwierigkeiten des Stücks mit verblüffender Leichtigkeit: so, als würde sie bloß mal eben am Wegesrand ein paar Blumen pflücken. Bravissimo!

Ähnlich berauschend ging’s nach der Pause weiter: Mit Debussys Iberia erweckten die BR-Symphoniker das turbulente Treiben auf Spaniens Straßen zum Leben – und entführten uns in die duftende Schwüle einer südländischen Nacht. In einem Ausschnitt aus de Fallas Oper La vida breve kam sogar der BR-Chor zum Einsatz: Neben ihrer Kernkompetenz durften die Sänger auch ihre Fähigkeiten im rhythmischen Klatschen demonstrieren.

Zum orchestralen Höhepunkt wurde indes Ravels brillante Klangzauberei Alborada del gracioso, dargeboten mit Feuer unterm Hintern und phänomenaler Präzision. Danach gab’s noch zwei ranschmeißerische Rausschmeißer-Zugaben (aus Bizets Carmen und einer Zarzuela von Federico Chueca): Die waren zwar etwas unsauber hingeschludert, entließen aber immerhin das Publikum in Stierkampfarena-Stimmung in die Sternennacht.

Marco Schmidt

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