Klassik am Königsplatz
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Stimmungsvoll: Die Feldherrenhalle wurde am Samstag mit Klassik beschallt.
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Klassik am Odeonsplatz - Bilder
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Klassik am Odeonsplatz beginnt am Samstag mit einem Gedenken an Nizza. 

Konzert unter freiem Himmel

Klassik am Odeonsplatz: Atmosphäre und Bachs "Air"

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München - Für das Open Air in der Altstadt haben es sich 8000 Zuhörer auf Klappstühlen gemütlich gemacht. Es hat sich gelohnt.  

Die Stadt hat es wieder getan. Sie hat am Samstag den Klappstuhl ausgegraben. Besser gesagt gleich 8000 davon und auf den Odeonsplatz und die Ludwigstraße gestellt. Um 20 Uhr war jeder Stuhl besetzt, und dann begann das diesjährige "Klassik am Odeonsplatz", Teil 1 mit den Münchner Philharmonikern. Deren Chef Valery Gergiev wird zwar kein Showman mehr - ein Lächeln auf seinem Gesicht ist so selten wie ein blitzblank geputzter Löwe vor der Feldherrnhalle, deren beiden Exemplare furchterregend düstere Gesichter machten -, aber dafür nimmt Russlands berühmtester Pultstar und Putin-Kumpel das Event ernst. 

Grad beim Strauss nach der Pause wusste man ja nicht, wie die knifflige "Rosenkavalier"-Suite klappen würde. Doch höre da: klangschön, frisch, mit Schmelz und Sinnlichkeit und ordentlich Saft, wo es sein müsste. Nach der Pause bedeutet in diesem Fall Punkt 22 Uhr. Zuvor zieht sich Tschaikowskys "Schwanensee"-Suite etwas plätschernd dahin, was auch der Komposition geschuldet ist. Deutlich ambitionierter, ja der Höhepunkt des dreistündigen Konzerts ist dessen berühmtes b-Moll-Klavierkonzert, und das liegt am 25-jährigem Daniil Trifonov. 

"Air" radikal romantisiert

Der beweist, dass er der wohl einzige junge legitime Vertreter der berühmten russischen Schule ist. Mehr Gefühl im kleinen Finger als manch Kollege in der ganzen Hand, eine urwüchsige Freude am Gestalten, begnadete Phrasierungskunst, Tausende feinste Klangabstufungen und einen Willen zur Eigenwilligkeit, der - auch bei Trifoniv nie Selbstzweck -, an seinen großen Landsmann Sokolov erinnert. Und so wurde aus dem Gassenhauer zusammen mit Gergiev und den Philis ein ungeahnt lyrisches, behutsames, breit gezogenes Stück kredenzt. Doppelt überraschend, da ja gerade beim Open-Air-Event ein zügiges Durchdonnern garantiert effekthaschender ist. 

Apropos Effekt: Als die Philis unter Gergiev ganz zu Beginn außerplanmäßig Bachs "Air" radikal romantisierend über den Platz hauchten - in Gedenken an die jüngsten Terror-Opfer und als Bekenntnis zur Freiheit des Geistes und der Schönheit der Kunst -, war mehr gesagt als bei 80 Minuten Tschaikovsky. Um halb elf der offizielle Rausschmeißer mit dem magischen "Bolero", den Ravel wohl eigens für die herrliche Münchner Atmosphäre, die magische Illumination und das sehr anständige Wetter geschrieben hat. 

Und um diese Uhrzeit waren denn auch ein paar Technik-Knackser passé und einige Singvögel verstummt, die zuvor noch vor allem den Querflöten zärtliche Avancen gemacht hatten. Berlioz als Zugabe, und dann ab in die Nacht. Drei Stunden fast wie im Flug. Auch ohne Singvögel.

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