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Gas geben vor dem Starkregen

München - Schunkelstimmung, Klangzaubereien und eine verunglückte Moderation bei der „Notte italiana“ auf dem Odeonsplatz. Eine Kritik:

Irgendwann, als die Wetteramtmänner Alarm schlugen, musste es ganz schnell gehen. Pause plus einige Arien gestrichen, Programm umgestellt, ein Moderator von der Rolle: Beim drohenden „Starkregenschauer“ wurde der BR panisch – und das Motto dieses Konzerts etwas ad absurdum geführt. „Notte italiana“, da hätten die Kollegen vom Stiefel mehr „Calma, calma!“ und Improvisationstalent mitgebracht. Zumal es erst eine Stunde nach Konzertende so richtig prasselte...

Dabei war’s das wohl bisher passendste, stimmungsvollste Programm der Odeonsplatz-Konzerthistorie, das vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks heuer gereicht wurde. Opernhäppchen zwischen Verdi, Puccini, Mascagni und Leoncavallo, dazu eine herrliche Atmosphärenzauberei inklusive Vogelstimmen vom iPod des Schlagzeugers bei Respighis „Pini di Roma“: Was kann schon besser auf Münchens schönsten Platz passen? Andris Nelsons, ein Dirigent zwischen Klang-Umarmer und überdrehter Aufziehpuppe, gab anfangs bei Ouvertüre und Eingangschor aus „Nabucco“ ziemlich Gas (die Vorhersage?), um ausgerechnet bei der Zugabe, als die ersten Tropfen fielen, den wohl langsamsten Gefangenenchor seit der Uraufführung Anno 1842 zu zelebrieren.

Egal, viele der 8000 auf dem Platz summten ergriffen mit. Überhaupt tönte viel Schunkelträchtiges aus den gut ausgesteuerten Lautsprechern: Der Triumphmarsch aus Verdis „Aida“ als perfekte musikalische Feldherrnhallen-Garnierung und das wohl unvermeidliche „Traviata“-Trinklied. Bei dem freilich wurden die Klassenunterschiede der beiden Solisten (zu) eklatant. Joseph Calleja hatte zuvor schon mit wachsweichem Schmusetenor als Puccinis Cavaradossi die (über München kaum ersichtlichen) Sterne besungen und mit dem „Bajazzo“-Monolog ein imponierendes Statement für künftige Heldeneinsätze geliefert. Sopranistin Kristine Opolais dagegen demonstrierte im Nachhinein: Ihre Staatsopern-„Rusalka“ in der vergangenen Saison war vor allem ein darstellerisches Ereignis. Mit nicht gut balancierter Stimme flackerte sie sich durchs Trinklied, blieb auch bei „O mio babbino caro“ und dem Osterchor aus Mascagnis „Cavalleria rusticana“ konsequent unter der notierten Tonhöhe. Ein Festspiel-Ereignis dagegen der BR-Chor, vom vollsaftigen, nie übersteuerten „Gloria all’Egitto“ aus „Aida“ bis zum völlig entspannten Gefangenenchor.

Kaum formatfüllend dagegen die Moderation von Udo Wachtveitl. Münchens „Tatort“-Kommissar lieferte Allgemeinplätze (Italien, das Land der Berge, des Meeres, des guten Essens...), ließ Pointen und seine Charmeoffensive in Richtung Kristine Opolais verhungern, geriet überdies endgültig aus dem Gleis, als Improvisation gefragt war: Wie heißt noch mal die Oper von Leoncavallo...?

Wenn’s denn schon ein ARD-Gesicht sein muss, dann hätten sich mit Anne Will, besser noch mit Caren Miosga angemessenere Alternativen angeboten. Oder mit dem Aufwärm-Gespann vor dem offiziellen Beginn: BR-Hörfunkdirektor Johannes Grotzky und Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers haben ihr Dasein als stichelndes Pat-und-Patachon-Duo seit 2011 noch verfeinert. Die Konsequenz drängt sich auf: Gebt ihnen eine Sendung – zumindest aber die Moderation beim Open Air im nächsten Jahr.

Von Markus Thiel

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