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Klassik am Odeonsplatz

Klassik am Odeonsplatz: Mit Lang Lang im Klang-Himmel

München - 8.000 Menschen harrten trotz starkem Regen bei „Klassik am Odeonsplatz“ der Münchner Philharmoniker aus. Für den Auftritt von Lang Lang hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Eine Kritik:

Es sitzt der Wunsch doch sehr tief im Menschen, es warm und trocken zu haben. Egal ob der Verstand sich für Höheres ereifert. Das „Klassik am Odeonsplatz“ der Münchner Philharmoniker war leider vom Sommernachtstraum der BR-Kollegen nicht nur 24 Stunden, sondern eine ganze Jahreszeit entfernt, ’s herbstelte gewaltig. Als Christian Ude den Abend eröffnete, sah er ein Heer von (OB-O-Ton) „Gartenzwergen“: ein Meer aus Regenkleidungs-Plastik mit Kapuzenzipfel-Gischt. Nicht Genuss-Stimmung, sondern trotziger Durchhaltewillen – der die Wolken zu beeindrucken schien. Ihr Zugeständnis: Zu Konzertbeginn lediglich leichtes Nieseln. Um die meteorologische Gunst der Stunde zu nutzen, wurde auf Vorgeplänkel und Pause verzichtet. Lediglich eine Widmung schickte Dirigent Christoph Eschenbach voraus: Die Uraufführung einer Fanfare für die vom Aussterben bedrohten asiatischen Tiger. „Mmmh, Tiger“, dachte man, „die leben da, wo’s warm ist.“

Dann jedoch hob Lang Lang die Pranken, zu Liszts 1. Klavierkonzert. Ein Show-Stück, für diesen Rahmen trotz dramaturgischer Schwächen nicht schlecht geeignet. Zumal Lang Lang ein großartiger Kommunikator ist: Er sucht den steten Austausch mit dem Orchester (gelungen gerade im Quasi-Scherzo!), baut Brücken zum Publikum. Und auch wenn die (an sich hervorragende) Tontechnik seinen Flügel auf Blockbuster-Bässe und Laser-Höhen trimmte, packten einen besonders die feinen, lyrischen Momente. 8000 Menschen unter freiem Himmel an einem hingestreichelten Ton hängen, Intimität fühlen zu lassen, dazu gehört schon was. An sommerlicherem Abend wäre der Applaus dafür garantiert länger ausgefallen.

Dvo(r)áks 8. Symphonie kam erst im Adagio auf dem Platz an, als die Klarinetten tief und ruhig warm-exotischen Wind wehen ließen. Das Drama des Kopfsatzes kam leicht übereilt: Man war im Wettlauf mit dem wiedereinsetzenden Regen. Eschenbach holte – gerade aus der Bläsergarde – dennoch erstaunlich viel Schönes heraus, und der wilden Final-Elefantenpolka war der Druck sogar zuträglich. Applaus und Niederschlag machten sich prasselnd Konkurrenz; die lieb gemeinten zwei Zugaben empfanden manche wohl als Zumutung und traten den Exodus an. Man kann sich’s ja am 30. Juli um 20.05 Uhr nochmal auf BR Klassik anhören. Auf dem Sofa, mit heißem Tee.

Thomas Willmann

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