News-Ticker: 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt - Tote möglich

News-Ticker: 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt - Tote möglich
+
Klassik am Odeonsplatz

Klassik am Odeonsplatz: Mit Lang Lang im Klang-Himmel

München - 8.000 Menschen harrten trotz starkem Regen bei „Klassik am Odeonsplatz“ der Münchner Philharmoniker aus. Für den Auftritt von Lang Lang hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Eine Kritik:

Es sitzt der Wunsch doch sehr tief im Menschen, es warm und trocken zu haben. Egal ob der Verstand sich für Höheres ereifert. Das „Klassik am Odeonsplatz“ der Münchner Philharmoniker war leider vom Sommernachtstraum der BR-Kollegen nicht nur 24 Stunden, sondern eine ganze Jahreszeit entfernt, ’s herbstelte gewaltig. Als Christian Ude den Abend eröffnete, sah er ein Heer von (OB-O-Ton) „Gartenzwergen“: ein Meer aus Regenkleidungs-Plastik mit Kapuzenzipfel-Gischt. Nicht Genuss-Stimmung, sondern trotziger Durchhaltewillen – der die Wolken zu beeindrucken schien. Ihr Zugeständnis: Zu Konzertbeginn lediglich leichtes Nieseln. Um die meteorologische Gunst der Stunde zu nutzen, wurde auf Vorgeplänkel und Pause verzichtet. Lediglich eine Widmung schickte Dirigent Christoph Eschenbach voraus: Die Uraufführung einer Fanfare für die vom Aussterben bedrohten asiatischen Tiger. „Mmmh, Tiger“, dachte man, „die leben da, wo’s warm ist.“

Dann jedoch hob Lang Lang die Pranken, zu Liszts 1. Klavierkonzert. Ein Show-Stück, für diesen Rahmen trotz dramaturgischer Schwächen nicht schlecht geeignet. Zumal Lang Lang ein großartiger Kommunikator ist: Er sucht den steten Austausch mit dem Orchester (gelungen gerade im Quasi-Scherzo!), baut Brücken zum Publikum. Und auch wenn die (an sich hervorragende) Tontechnik seinen Flügel auf Blockbuster-Bässe und Laser-Höhen trimmte, packten einen besonders die feinen, lyrischen Momente. 8000 Menschen unter freiem Himmel an einem hingestreichelten Ton hängen, Intimität fühlen zu lassen, dazu gehört schon was. An sommerlicherem Abend wäre der Applaus dafür garantiert länger ausgefallen.

Dvo(r)áks 8. Symphonie kam erst im Adagio auf dem Platz an, als die Klarinetten tief und ruhig warm-exotischen Wind wehen ließen. Das Drama des Kopfsatzes kam leicht übereilt: Man war im Wettlauf mit dem wiedereinsetzenden Regen. Eschenbach holte – gerade aus der Bläsergarde – dennoch erstaunlich viel Schönes heraus, und der wilden Final-Elefantenpolka war der Druck sogar zuträglich. Applaus und Niederschlag machten sich prasselnd Konkurrenz; die lieb gemeinten zwei Zugaben empfanden manche wohl als Zumutung und traten den Exodus an. Man kann sich’s ja am 30. Juli um 20.05 Uhr nochmal auf BR Klassik anhören. Auf dem Sofa, mit heißem Tee.

Thomas Willmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Beim Münchner Krimi-Herbst des Internationalen Krimifestivals München lesen hochkarätige Krimi- und Thriller-Autoren aus aller Welt aus ihren Büchern.
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Große Ehre für Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache
„Gscheid gfreid“ hat sich Martina Schwarzmann am Sonntag. Die Kabarettistin erhielt die „Bairische Sprachwurzel“. Damit wurde ihr Einsatz zur Rettung der Dialektvielfalt …
Große Ehre für Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache

Kommentare