Über Wasser hält sich Andreas Martin Hofmeir mit Kabarett, einer Professur und LaBrassBanda. foto: Philippe Gerlach

Klassik ohne Hemmungen

München - Andreas Martin Hofmeir über Pinguine im Gasteig und sein Projekt mit den Münchner Philharmonikern: ein Interview zum Konzert.

Bekannt wurde Andreas Martin Hofmeir durch die Blasmusiker von LaBrassBanda. Mittlerweile hat sich der 34-jährige auch als Solokünstler einen Namen gemacht, und zwar mit einem Instrument, das man nicht ohne Weiteres in der ersten Reihe vermuten würde: mit der Tuba. Der gebürtige Münchner, der 2013 den Echo Klassik gewann, spielt am kommenden Sonntag ein ungewöhnliches Konzert mit den Münchner Philharmonikern im Gasteig.

Das Programm heißt „Lackschuh oder Barfuß?“. Auch den Echo Klassik haben Sie ohne Schuhe und Socken entgegengenommen. Was reizt Sie daran?

Man muss nicht an die Schuhe denken. Im Orchester geht das ja leider nicht. Aber seit ich solistisch unterwegs bin, habe ich ein paar Mal meine Schuhe vergessen. Und was macht man dann? Strumpfsockig ist irgendwie blöd, leihen geht bei Größe 46 auch nicht so leicht. Und da habe ich mir gedacht, ich lass sie einfach weg. Das hat also keine pseudo-esoterischen Gründe oder so. Es ist einfach Faulheit.

Für das Konzert werben Sie mit einem spektakulären Video, in dem Sie sich vom Dach der Philharmonie abseilen, zu sehen unter andreas-martin-hofmeir.com. Was erwartet uns an diesem Abend?

Es wird ein Blick hinter die Kulissen geworfen. Mein Ziel ist es, die menschliche Seite eines Orchesters zu zeigen. Im Konzert sieht man 80 Pinguine. Man nimmt keine einzelnen Personen wahr, man baut keine persönliche Beziehung auf. Das ist sehr schade und schafft eine hemmende Distanz. Ich will das Orchester individualisieren und damit sympathischer machen. Dafür habe ich die Philharmoniker ein Jahr lang mit der Kamera begleitet, Interviews geführt und Reisen mitgemacht. Ein wichtiger Ort im Laufe des Abends ist auch das Kammerl der Orchesterwarte, da man sich mit ihnen gut identifizieren kann. Die sind, bevor sie hierher kamen, noch nie mit klassischer Musik in Berührung gekommen. Übrigens auch einige Musiker nicht.

Da ging es Ihnen vor dem Tuba-Studium ja ähnlich…

Absolut! Meine erste Oper habe ich nicht gesehen, sondern gespielt. Das erste Mal habe ich die Berliner Philharmoniker nicht gehört, sondern saß dort als Akademist im Orchester. Deshalb geht es mir darum, Hemmschwellen abzubauen und Menschen, die mit klassischer Musik nicht so viel anfangen können zu begeistern. Gerade die wollen wir für das Konzert am Sonntag gewinnen. Darauf war auch die Werbung ausgerichtet.

Klingt nach viel Arbeit.

Wir proben seit Anfang Januar immer wieder, da natürlich auch die technischen Details wichtig sind. Die Orchesterwarte mussten überzeugt werden und den Text üben. Aber im Endeffekt waren alle mit vollem Einsatz dabei. Auch die Philharmoniker waren begeistert, da kenne ich ja viele noch aus meiner Zeit in der Akademie.

Sie sind seit 2006 Professor für Tuba am Salzburger Mozarteum. Kommt Ihr Instrument in Mode?

Die Tuba gibt’s ja noch gar nicht so lange, sie ist das zweitjüngste nichtelektronische Instrument nach dem Saxofon. Deswegen haben wir leider keine populären klassischen Werke. Aber ich denke schon, dass die Tuba immer beliebter werden wird, da sie fantastische Möglichkeiten bietet. Es gibt kein Instrument, dessen Klang unmittelbarer ist. Der Sound ist so viel weicher, menschlicher und trotzdem voller als zum Beispiel das Cello. Außerdem hat die Tuba einen riesigen Registerumfang – fünfeinhalb Oktaven voller Möglichkeiten.

Das sollte doch auch zeitgenössische Komponisten ansprechen, oder?

Da ist das Fehlen von klassischen Stücken natürlich ein Vorteil, da die aktuellen Komponisten nicht ständig mit alten verglichen und an ihnen gemessen werden. Es gibt welche, die toll für Tuba schreiben können, für mich ist das hauptsächlich Jörg Duda, ein echter Glücksfall. Gerade kommt eine CD mit den Philharmonikern heraus mit einem Tuba-Konzert von Duda (siehe CD-Tipp).

Sie verbinden wie auch bei diesem Münchner Konzert gerne Musik und Theater und schreiben Kabarett-Programme. Könnten Sie sich auch mal eine Tuba-Oper vorstellen? Und wie geht es mit LaBrassBanda weiter?

Mit den Jungs von der Band hab ich mich darauf geeinigt, dass ich nur noch acht bis zehn Konzerte im Jahr spiele. Ich möchte mich mehr auf eigene Sachen konzentrieren wie auf mein Kabarettprogramm, mit dem ich gerade auf Tour bin. An der Oper würde ich sehr gerne mal inszenieren oder was Kabarettistisches machen. Dafür würde ich mir einen ganz ernsten Stoff nehmen, da ist die Fallhöhe zum Humor schön groß. Wagner bietet sich da natürlich an, aber das haben ja schon viele gemacht.

Das Gespräch führte Maximilian Maier.

Konzert

am 23. März, 19 Uhr, in der Münchner Philharmonie;

Telefon 089/ 548 18 14 00.

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