Der Klassiker

- Da war dieses alte Fernseher-Gehäuse. Drinnen ein Buddha, auf den draußen eine Buddhastatue blickte. Eine spartanische TV-Installation als gelassener Kommentar - lange vor der gnadenlosen Allgegenwart dieses Mediums. Und da sind die riesigen Wände, die mächtigen Schildkröten-Buckel, die Zimmer mit ihren vielen, ruhelos flimmernden Bildschirmen. Sie stopfen den Menschen voll mit visueller Masse, bis er, wie überfressen im Schlaraffenland, daran zu Grunde zu gehen droht. Nam June Paik schuf seit den 1960er-Jahren bis heute solche Auseinandersetzungen mit den schließlich alles erfassenden bewegten Bildern. Längst hat uns fast ständig eine Videokamera im Visier.

Auf seiner Internetseite ist nun zu lesen, dass der gebürtige Koreaner (73) am Sonntag in seiner Wohnung in Miami gestorben sei. Seit einem Schlaganfall 1996 war er halbseitig gelähmt. Paik, am 20. Juli 1932 in Seoul geboren, stammte aus wohlhabendem Haus. Nach Ausbruch des Korea-Kriegs floh er nach Tokio. Er beschäftigte sich zunächst mit experimenteller Musik und kam deswegen nach Deutschland, u.a. nach München. Stockhausen und Cage waren für ihn wichtig, aber dann mehr und mehr die bildenden Künstler des Fluxus' und vor allem Joseph Beuys.

Man wollte Spaß, Humor, Provokation (nackte Cellistin bei "Opera sextronique") - und Neuland für die Kunst. Paik hatte in Wuppertal seine erste Fernseher-Ausstellung, 1963, und begann, ab 1965 Videokameras herumzuschleppen. Er lebte in den USA und in der Bundesrepublik, unterrichtete auch hier. Kein Wunder also, dass er den deutschen Pavillon bei der Biennale in Venedig 1993 mit einer großen Flimmer-Schau bespielen durfte.

Der Weltbürger war damals schon ein Klassiker der Videokunst, die heuer ihren 40. Geburtstag feiert - nun ohne ihren Ahnherren.

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