Klassiker für die Klassen

- 35 Filme sollen Schule machen. Der Vorstoß der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn ist gar nicht hoch genug zu bewerten: ein Kanon von Filmen, die für den Einsatz im Schulunterricht zu empfehlen sind.

<P>Wenn es denn verbindlich dazu käme, würde dies bedeuten, die Schüler mit 100 Jahren Filmgeschichte vertraut zu machen, dem Film als Unterrichtsmaterial den etwa gleichen Rang von Literatur einzuräumen, ihn in den Köpfen von Lehrern und Jugendlichen als gleichberechtigten Teil unserer Kultur zu etablieren. Das würde aber auch heißen, die Klassiker des Kinos zu nutzen für Verbesserung und Intensivierung des zeitgeschichtlichen und historischen Verständnisses.</P><P><BR>Eine Bildungsoffensive, die dazu beitragen könnte, dass aus oft zu unbedarften Schülern junge Persönlichkeiten werden. Denn um zu reifen, bedarf es nicht allein Fakten, Fakten, Fakten. Ebenso wichtig ist die Konfrontation mit großem Gefühl, mit Leidenschaft, Tragik, Komik, mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Problemen, mit der Rolle des einzelnen in der Gesellschaft. Diese Konfrontation kann nur durch die Kunst geschehen, die den Betrachter berührt, hineinzieht, zur Stellungnahme herausfordert. Von nichts anderem erzählt das Kino.</P><P>Eine 19-köpfige Expertenkommission - darunter die Regisseure Volker Schlöndorff, Andreas Dresen, Tom Tykwer, Dominik Graf - hat sich jetzt auf jene Titel geeinigt, die als "repräsentative Basis für die Auseinandersetzung mit dem Medium Film in den Schulen" dienen sollte. Ob sie eine optimale Auswahl getroffen haben, darüber lässt sich trefflich streiten. Fragwürdig ist so ein Kanon immer, und da auf der Liste der internationalen Filme zum Beispiel Schlöndorffs "Blechtrommel" fehlt, erst recht. Doch ist das letztlich zweitrangig. Ein Kanon ist kein Gebot. Das Wichtigste ist die Einigkeit in der Sache: dem Bildungsnotstand unserer Schüler energisch entgegenzuwirken.</P><P>Was für den Film gilt, müsste für Kultur generell gelten, also auch fürs Theater durchgesetzt werden. Eine Liste der Dramen sollte schleunigst erstellt werden. Denn dass Jugendliche ihre Schulzeit absolvieren, ohne je Sophokles' "Antigone", Lessings "Nathan", Goethes "Faust", Schillers "Kabale und Liebe" gesehen zu haben, ohne Kleist, Shakespeare, Beckett, Brecht oder Kroetz auf der Bühne begegnet zu sein, ist ein Unding. Das aber ist ein extra Kapitel, das an den Theatern selbst ein Umdenken voraussetzte.<BR></P>

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