Klassische Moderne von Museumsqualität

- Die Götter der Antike und deren Abkömmlinge bewachen den Eingang zu dieser 48. Kunst-Messe in München-Riem. Cahn aus Basel, einer der 108 Aussteller aller Sparten, hat hohe Werte zu vermitteln. Das Marmorrelief eines Arztes aus dem Griechenland des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts, eines von nur drei Exemplaren dieser Art, kommt aus einer New Yorker Privatsammlung; es kostet jetzt 93 000 Franken.

<P>Der Stand gleich links davon bietet wohlfeile Kleinformate. Bei Roswitha Eberwein aus Göttingen sind Figürchen, die in Ägypten seit dem Mittleren Reich in oft großer Zahl den Toten als stellvertretende Abbilder beigegeben wurden, für 70 bis 100 Euro zu haben. Hier wird an die junge Generation gedacht: Es soll ihr Appetit zum eigenen Sammeln gemacht werden. Syrische Terrakotta-Idole des ersten vorchristlichen Jahrhunderts entsprechen der Kykladenkunst, von der Picasso inspiriert wurde (ab 1450 Euro).</P><P>Appetit aufs Sammeln machen</P><P>Wer in diese 11 000 Quadratmeter umfassende riesige Halle A6 strebt, wird rechter Hand begrüßt von einem "Verlöschenden Rot" Fritz Winters (1962), für das der Düsseldorfer Ludorff seine 225 000 Euro verlangt. Links davon platzierten Blumka (New York) und Eitle aus München ein Anfang des 15. Jahrhunderts von dem Spanier Nicolas Solana gemaltes Triptychon mit Grablegung, Auferstehung und Höllenfahrt. Es wirkt so realistisch-fantastisch, dass es Werken von Otto Dix an die Seite gestellt werden könnte.</P><P>Wo denn in diesem unübersehbaren "Musé´e imaginaire" auf Zeit begegnen wir - nach der Ankunft vom MVV oder von der Autobahn her -, was uns frommt, nützt und weiterführt? Ganz hinten in der Halle sind es vielleicht die drei Leibl-Zeichnungen bei Arnoldi-Livie oder bei Sabrina Förster eine große Baumlandschaft von Philipp Hackert. Weit niedriger im Kurs als die Zeitgenossen stehen immer noch die Alten Meister. Eine von Hendrik van Balen d. J. auf Kupfer gemalte Petitesse des beliebten Themas "Ohne Ceres und Bacchus friert Venus" ist bei Ingeborg Sühs-Frye aus Münster für 38 000 Euro zu haben. Auch Ambrosius Bosschaerts d. J. (1610-40) auf Holz gemalter Blumenkorb ist bei Scheidwimmer mit 190 000 Euro noch recht probat bewertet.</P><P>Hernieder schlägt die Preiskeule bei den Modernen: bei 21 Ausstellern vertreten mit teils musealer Qualität. Mehr als 190 Werke zeigt die Münchner Galerie Thomas: Max Ernsts "Cimetiè`re d'oiseaux" für 580 000 Dollar, Nays "Silberbild" für 280 000 Euro und Picassos Kaltnadelradierung "Minotaure caressant une dormeuse" für 59 000 Euro. Ein mittleres Blumen-Format Jawlenskys ist bei Maulberger kaum unter 550 000 Euro zu haben. Erst recht hauen die Lebenden auf den Trichter: mittlere "Abstract Paintings" von Gerhard Richter bei Terminus sowie Salis & Vertes sind für 295 000 und 120 000 Euro zu haben, Baselitz bis 600 000 Euro und Lüpertz-Plastik bis 295 000 Euro, Penck für 62 000 Euro. Das sind, wohl gemerkt, keine Hauptwerke. </P><P>In der Sonderschau ist Egon Schiele zu bewundern: Akt-Darstellungen aus der Wiener Sammlung Leopold.</P><P>Bis 19. Oktober, 11-19 Uhr, Do. bis 22 Uhr. Samstag Eröffnung: 11-14 Uhr, Eintritt 20 Euro, sonst 12,50 Euro. Katalog: 7,50 Euro. Tel. 089/ 94 93 40 01.</P>

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