Der Komponist und Musiker Malakoff Kowalski sitzt an seinem Flügel.
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Malakoff Kowalski arbeitet seit 2009 mit Klaus Lemke zusammen. Bislang hat er die Musik für elf Filme des Regisseurs geschaffen.

Filmemacher Klaus Lemke feiert 80. Geburtstag

Malakoff Kowalski gratuliert Lemke – und verrät das Geheimnis seiner Nachbarin

Der Filmemacher Klaus Lemke gehört zu den eigensinnigsten deutschen Regisseurin. Jetzt wird er 80 Jahre alt. In unserem Gastbeitrag gratuliert der Komponist und Musiker Malakoff Kowalski, der regelmäßig mit Lemke zusammenarbeitet.

Erst vor zwei, drei Wochen haben wir uns in Hamburg gesehen. Sein neuer Film „Bad Boy Lemke“ wurde als Premiere beim Filmfest gezeigt. Roter Teppich, Blitzlichter, wir hatten gute Laune, und es war einer der ersten Herbstabende in diesem Jahr.

In „Bad Boy Lemke“ kommt ein Musikstück vor, das ich ursprünglich 2010 für den Film „3 Kreuze für einen Bestseller“ gemacht hatte. Ich war ganz überrascht im Kino, ich hatte das Stück schon fast vergessen. Lemke hatte sich damals etwas Karibisches gewünscht. Eine Musik, die aus der Ferne im Mondlicht zwischen Palmen herüberwehen sollte. Warm sollte sie sein und zum Verlieben. Torkelnde, spanische Gitarren und Kastagnetten.

Klaus Lemke rief an: „Bombe, Cowboy!“

Ich steckte ihm eine erste Fassung in die Post. Er rief mich am nächsten Tag an und sagte: „Bombe, Cowboy!“ Er sagte aber auch, dass noch etwas fehle. Eine Frauenstimme vielleicht. Ich nahm eine neue Fassung auf und schickte sie wieder nach München. Ich rief Lemke an und erzählte ihm von meiner kubanischen Nachbarin Maria. Sängerin, bildhübsch, eine Stimme wie aus Mandelmilch und Honig gegossen.

Lemke schickte 300 Euro für Maria

Er war begeistert davon, dass ich einfach meine Nachbarin ins Studio geholt und aufgenommen hatte, und er konnte es nicht erwarten, meine Post zu öffnen. Nachdem Lemke das Stück am nächsten Tag gehört hatte, telefonierten wir wieder, und er war vor Glück nicht zu halten. Er tanzte mit dem Hörer in der Hand und hörte nicht auf, von dieser neuen Frauenstimme zu schwärmen. „Cowboy“, sagte er, „diese Maria ist ein Engel. Heirate sie. Oder ich heirate sie. Sie muss nach Wien kommen, zur Viennale, zur Premiere. Cowboy, ich bin verliebt! Diese Stimme, so zart und zerbrechlich und so dahingezaubert. Hör’ zu, ich stecke dir jetzt dreihundert Euro in die Post. Davon kaufst du Champagner für Maria, und ihr zieht zusammen los.“

Ich freute mich, dass nun alles passte, und ein Umschlag mit Geld war auch nichts Schlechtes. Wochenlang hatte Lemke nichts anderes im Kopf als Maria und ihre Stimme, und auch sein Cutter und die Leute beim ZDF hatten scheinbar nichts anderes mehr im Ohr als „South of Midnight“ – so hatten wir das Stück genannt. Ein halbes Jahr später, vielleicht auch ein ganzes, saßen Lemke und ich nebeneinander in Wien in der Filmpremiere von „3 Kreuze“, und selbst im Dunkeln konnte ich seine Augen unter der tiefen Schirmmütze funkeln sehen – jedes Mal, wenn Marias Stimme im Kinosaal erklang.

Lemke & Kowalski: eine Love-Story fürs Leben

Als der Abend vorbei war und wir zurück zu unserem Hotel spazierten – froh darüber, dass die Premiere hinter uns lag –, fing ich an, leise Marias Melodie aus „South of Midnight“ vor mich hin zu singen. Lemke machte zuerst mit. Ich liebe es, wenn er zu meiner Musik pfeift. Dann aber schaute er mich an und merkte, dass irgendwas nicht stimmte. Mit meiner Stimme. Ich musste so laut lachen, dass mir die Tränen kamen. „Digger“, sagte ich zu ihm. „Es gibt keine Maria. Es gab nie eine. Ihre Stimme in dem Stück, das bin ich. Kopfstimme, bisschen gehaucht, bisschen verhuscht. Ich habe keine Nachbarin, die Sängerin ist, keine Kubanerin. Es musste schnell gehen damals, also habe ich die Sache selber eingesungen und den Rest für dich erfunden.“

Er boxte mich in die Seite und freute sich wie ein Kind über den Schwindel. Aus der Love-Story mit Maria wurde eine Love-Story fürs Leben. Zwischen Lemke und Kowalski. Baci, K.

Malakoff Kowalski

Unser Autor: Malakoff Kowalski, Jahrgang 1979, ist Musiker und Komponist. Seit 2009 hat er für bislang elf Lemke-Filme die Musik geschaffen. Zuletzt erschienen seine Soloklavier-Alben „My first Piano“ und „Onomatopoetika“ (beide MPS). Lesen Sie hier unsere Kritik zu Malakoff Kowalskis jüngstem Album „Onomatopoetika“.

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