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„Wir mögen uns“: Yusuf Islam (Cat Stevens, li.) undKlaus Voormann spielten George Harrisons Song „All Things Must Pass“. Der Beatle blickt imHintergrund vom Cover der LP „Revolver“, das Voormann 1966 entworfen hat.

Klaus Voormann: Der gute Freund am Bühnenrand

Klaus Voormann ist in mehr Hits zu hören als mancher Popstar – nur weiß keiner etwas davon, denn der schüchterne Hanseat, der am Starnberger See wohnt, hielt sich stets im Hintergrund. Jetzt hat Voormann mit 71 Jahren für einen guten Zweck ein Album mit Freunden wie Paul McCartney , Yusuf Islam und Ringo Starr aufgenommen.

Klaus wer? Eine spontane Umfrage in der Redaktion zeigt: Kein Mensch kennt Klaus Voormann. Aber Pop-Klassiker wie „Imagine“ und „Power To The People“ von John Lennon , „You’re So Vain“ von Carly Simon , „Without You“ von Harry Nilsson , „Doo Wah Diddy Diddy“ von Manfred Mann , „Walk On The Wild Side“ von Lou Reed – da nickt jeder, der ein Radio besitzt. In all diesen Songs spielt Voormann den Bass. „Ich war ein ,Sideman‘, ein Begleitmusiker“, sagte er am Montagabend im Münchner Theaterzelt „Das Schloss“. „Und ,Sidemen‘ fühlen sich nicht wohl, wenn sie im Rampenlicht den Mick Jagger geben müssen.“

Jetzt ist ihm das mit dem Rampenlicht doch noch passiert, aber der sympathische 71-Jährige fühlte sich am Montag sichtlich wohl. Aus dreierlei Gründen: Er hatte eine Menge Freunde um sich geschart (unter anderem Yusuf Islam alias Cat Stevens, Wolfgang Niedecken und Peter Maffay). Es ging um einen guten Zweck. Und er konnte der Presse sein neues Album vorstellen: „A Sideman’s Journey“. Für die Platte hatte Voormann noch mehr alte Freunde auf der ganzen Welt angerufen, die prompt mit ihm alte Songs aufnahmen: Paul McCartney , Ringo Starr , Dr. John, die alte Band von Manfred Mann und viele andere.

Woher kennt er all die Stars? Jetzt müsste man bei Adam und Eva anfangen – um genau zu sein: 1960 im Hamburger Kaiserkeller, als der schüchterne Klaus die Beatles sah und sich mit dem Rabauken John Lennon anfreundete. Doch lieber gleich zur Gegenwart: In dieser ist Voormann immer noch schüchtern, wie seine Frau Christina betonte: „Ich habe ihm einen Tritt in den Hintern gegeben, damit er das Projekt angeht.“

Denn Christina Voormann leitet mit Klaus das wohltätige Hilfswerk „Water is Life“. Dabei geht es um das Reservat der Lakota Sioux (des Indianerstammes, der aus dem Film „Der mit dem Wolf tanzt“ bekannt ist). Dort wird Uran abgebaut, und merkwürdigerweise sterben die Ureinwohner seit Jahrzehnten übermäßig oft an Krebs, Nierenversagen oder Herzkrankheiten. Die Voormanns wollen den offensichtlichen Zusammenhang zwischen der industriellen Wasserverschmutzung und der hohen Krankheitsrate mit einer wissenschaftlichen Untersuchung beweisen – doch die ist teuer. „Ein Teilerlös aus den CD-Verkäufen kommt dem Projekt zugute“, sagte Voormann.

Und so kommt es also, dass sich Paul McCartney im Studio ans Klavier setzt und von Voormann Anweisungen für ein Lied geben lässt („Du kannst ja ganz schön rumkommandieren“, schmunzelt Paul). Dass Klaus den Schlagzeuger Ringo Starr nach dem Trommeln innig umarmt. Oder dass er Yusuf Islam vorschlägt, eine Gitarren-Melodie noch zu verändern. All diese Szenen sah das Publikum nun in einem Film, der die Entstehung von „A Sideman’s Journey“ zeigte. „Wenn ich die Brüder zusammen sehe, bekomme ich Gänsehaut“, bescheinigte auf der Couch Ehrengast Niedecken. Und Maffay schlug neidlos in die gleiche Kerbe: „Da kriegt man große Augen.“

Die beiden waren freilich nicht nur „Zaungäste“ der Veranstaltung, wie Maffay kokettierte. Gerade er war laut Christina Voormann vor knapp zehn Jahren „eine der beiden Hebammen“ des Hilfsprojekts, weil er „einen dicken Scheck gezückt hat“. Die andere Hebamme war kurz darauf Paul McCartney , der im Rahmen der TV-Sendung „Wetten, dass..?“ seine Unterstützung zugesagt hatte. Und Wolfgang Niedecken konnte Erschreckendes und Erfreuliches von seiner langjährigen wohltätigen Arbeit für ehemalige Kindersoldaten in Uganda berichten. Moderator Fritz Egner lobte das Projekt auch unter musikalischen Gesichtspunkten: „Das ist ein wahres Zeitdokument, das hoffentlich eine Fortsetzung findet.“

Wer weiß? Wie sehr sie sich mögen, dass zeigte Yusuf Islams herzliche Umarmung: „Wir kennen uns seit den 60ern“, sagte er. „Musik und Mitmenschlichkeit sind sich doch sehr ähnlich – sie bringen uns zusammen.“ Dann spielten er und Voormann eine ergreifende Version von Beatle George Harrisons „All Things Must Pass“.

Die Beatles verdankten Voormann übrigens auch die Hülle zur LP „Revolver“ – er hat sie entworfen. Im Andenken daran hatte er eine Gitarre mit dem Konterfei John Lennons bemalt – Christina Voormann versteigerte das gute Stück am Montag für 11 000 Euro. Nach diesem Geldsegen machte sich schließlich ein Staraufgebot ans große Finale: Maffay, Carl Carlton , Niedecken, Stephan Stoppok und Voormann schmetterten Manfred Manns Hit „Mighty Quinn“ – der mächtige Quinn.

Spätestens da gefiel es dem „Sideman“ im Rampenlicht. „Wenn man gut miteinander Musik macht, kommt man auch miteinander klar. Das ändert sich auch über Jahrzehnte nicht“, sagte er. „Und ich bin stolz, dass ich mit all diesen wunderbaren Menschen Musik machen durfte.“

„A Sideman’s Journey“ erscheint am 17. Juli bei Universal.

Von Johannes Löhr 

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