Klavierspielen verboten

- Als im Kindergarten ein "Schlagzeuger" fehlte, musste Li Biao ran. Der Fünfjährige fand das herrlich und spielte auf seinem Xylophon mit Inbrunst kleine Revolutionslieder. Man schrieb das Jahr 1974, in China tobte die Kulturrevolution. "Klavier durfte ich erst ab 1977 lernen", schmunzelt der heute 34-jährige Musiker, der dennoch bei seinen Anfängen blieb. Mit zwölf Jahren kam er nach Peking und bestand am Musik-Gymnasium eine beinharte Aufnahmeprüfung.

<P> "Der Andrang war riesig, denn nach der Kulturrevolution durften die Kinder wieder ihre Instrumente selbst aussuchen und klassische Musik spielen." Der leidenschaftliche Schlagzeuger verrät: "Der verschiedenartige Klang hat mich schon früh fasziniert. Auch in der Peking-Oper, die ich gern besuchte, wird die Hauptrolle immer mit dem Schlagzeug gekoppelt. Es spielt im Orchester eine wichtige Rolle."<BR><BR>Exakt zur richtigen Zeit - China und die UdSSR beendeten ihre jahrelange Eiszeit - verließ Li Biao die Schule und durfte als Stipendiat zusammen mit zwei weiteren Musikstudenten nach Moskau übersiedeln, machte sein Master-Examen und wanderte 1994 weiter: nach Deutschland. Erste Station war die Musikhochschule Würzburg, doch schon nach einem Jahr landete er in München, bei Peter Sadlo.<BR><BR>"Deutsch lernte ich viel leichter als Russisch", erinnert sich Li, der früh begann, sich mit Solo-Kompositionen zu beschäftigen. Heute hat Li Biao eine Professur in Peking und veranstaltet dort alle zwei Jahre sein eigenes Percussion-Festival. Geplant war das im engen Austausch mit dem Kollegen Edgar Guggeis, Professor in Berlin, wie Sadlo ebenfalls früher bei den Münchner Philharmonikern. Doch Guggeis' plötzlicher Tod vor drei Monaten zerstörte viele Pläne. "Wir waren Freunde, und wir haben viele Duo-Abende zusammen gestaltet."<BR><BR>Erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich das Schlagzeug so richtig emanzipiert. Kein Wunder also, dass das Repertoire mit Neuer Musik gespickt ist. "Ja, Beethoven hat leider nichts für uns geschrieben", lächelt Li, der immer auf der Suche nach der "richtigen" Musik ist, die vielen Leuten gefällt. "60 Prozent der Kompositionen taugen nichts, weil die Komponisten viel zu wenig Ahnung von unserem reichen Instrumentarium haben."<BR><BR>Immer wieder spielt er auch neue chinesische (oft für ihn geschrieben) Musik. Natürlich auch beim heutigen Konzert im Münchner Gasteig, wo er mit dem Pekinger Symphonie Orchester auftritt. Auf dem Programm: Tan Jiang Pings Konzert für Percussion und Orchester, eine chinesische Ouvertüre und Berlioz' Symphonie fantastique.<BR><BR>Li Biao, der schon rund um die Welt reiste, - "nur in Afrika habe ich noch nicht gespielt" - freut sich, dass er seit diesem Jahr sein Wissen an chinesische Studenten weitergeben kann: "Die Regierung investiert jetzt sehr stark in die Kultur. Sie hat zehn chinesische Musiker aus aller Welt zurückgeholt als Professoren. Es gibt allein in Peking zwei staatliche Musikhochschulen und einige private. An der Beijing-Hochschule, an der ich unterrichte, studieren 2000 Studenten, ich betreue 25. Allein in Peking gibt es 200 000 Kinder, die ein klassisches Musikinstrument lernen. Ihre Eltern durften es nicht wegen der Kulturrevolution."<BR><BR>"Nur in Afrika habe ich noch nicht gespielt."<BR>Li Biao</P><P>In Chinas Hauptstadt gibt es drei Konzertsäle, und der vierte wird gerade gebaut, so der Schlagzeuger. "Die traditionellen Orchester wagen sich an Neue Musik, und unsere Symphonieorchester spielen gelegentlich auch Peking Oper. Das ist multikulturell und wichtig für uns Musiker."<BR><BR>Mit großer Freude beobachtet er die Entwicklung seines Heimatlandes: "Shanghai ist schon jetzt eine Metropole, und warten wir erst einmal ab, wie Peking zu den Olympischen Spielen 2008 aussehen wird. Die Kultur braucht nur noch ein bisschen Zeit, 26 Jahre (seit der Kulturrevolution) sind einfach zu wenig." Und noch eins freut den Wahlmünchner, der für sich und seine chinesisch-amerikanische Frau ein Haus in Peking gekauft hat: Er sieht seine Eltern jetzt öfter.<BR></P>

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