Klaviertrios von Mendelssohn: Richtiges Seelenfutter

- Und jetzt auch noch ein französischer Schallplattenpreis, der "Diapason d'Or". Irgendwie spürt man es sofort, dass Julia Fischer, Daniel Müller-Schott und Jonathan Gilad mit ihrer Einspielung von Mendelssohn Bartholdys Klaviertrios eine ganz besondere Preziose gelungen ist. Und wenn man diese drei Künstler nebeneinander sieht, die 23-jährige Geigerin und ihre nur unwesentlich älteren Kollegen an Cello und Klavier, ergibt sich das Bild perfekter Harmonie.

Perfekte Harmonie

Wie sonst, wenn nicht harmonisch könnte man sich den CD-Preis erspielen. "Klar war die Zusammenarbeit mit Julia nicht immer einfach", sagt Cellist Daniel Müller-Schott, der im Osten Münchens lebt, und stößt damit auf Unglauben.

Es sollte aber auch nur eine scherzhafte Anspielung auf die sehr exakten musikalischen Vorstellungen Julia Fischers und ihrer Strenge bei deren Umsetzung sein. Eine ironische Nebenbemerkung, die viel aussagt über den respektvollen Umgang und die disziplinierte Arbeitsweise der Künstler.

Anders wäre es kaum denkbar, dass sie, die allesamt erfolgreich solistisch tätig sind und nur sporadisch miteinander musizieren, zu einer derart geschlossenen Einheit zusammenfinden. Und so präsentiert sich diese Aufnahme als Wunderwerk der Feinabstimmung und Ausgewogenheit, ein immer auf den Punkt gespielter Mendelssohn, der niemals nur in kalter Technik aufblüht, sondern ein hohes Maß an emotionaler Verdichtung zeigt. Das ist richtiges Seelenfutter, was Fischer, Müller-Schott und Gilad hier anzubieten haben - ohne dabei dick aufzutragen oder einen altklugen Tiefsinn zur Schau zu stellen.

Besonders im c-moll-Trio des reiferen Mendelssohn zahlt sich die jugendliche Unbefangenheit der Künstler aus. Statt den düsteren Charakter des Werks zu betonen und sich hinter einer Klangwolke aus schwarzklumpiger Verzweiflung zu verschanzen, entwickeln das Trio so etwas wie eine Alternativdramaturgie - ohne das Werk dadurch zu verbiegen. Und auf einmal fällt Licht durch diese Musik, Mendelssohns Trio kann durchaus recht hoffnungsfroh klingen und, da nicht wie oft üblich mit pianistischer Dauerpedalisierung zugekleistert, transparent.

Professorin Julia Fischer

Als Nachwuchs kann man die drei längst nicht mehr bezeichnen, im Falle von Julia Fischer sollte man mit diesem Verdikt sogar besonders zurückhaltend sein, vor allem, wenn man mit ihr beim Frühstück  sitzt.  Es könnte sein, dass sie einen mit einer Semmel erschlägt. "Wenn man Künstler ist, hat man immer etwas zu sagen, selbst wenn man zwölf ist", sagt die gebürtige Münchnerin, die demnächst eine Professur an der Frankfurter Musikhochschule innehaben wird, fast maulig. Und die gute Nachricht zum Schluss: Die nächsten gemeinsamen Projekte der drei Solisten sind schon in Planung.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Klaviertrios Nr. 1 und 2. Julia Fischer, Violine; Daniel Müller-Schott, Violoncello; Jonathan Gilad, Klavier (PentaTone).

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