Wie kleine Kolibris

- Wie stellt sie's an, dass sie mit jedem Jahr jünger wirkt? Die Münchner Ballettakademie zu leiten, zu unterrichten, zu coachen, das macht Konstanze Vernon eben unheimlich Spaß, und wie man hört, denkt sie auch nicht daran aufzuhören. Strahlend präsentiert sie im wieder knackvollen Münchner Nationaltheater die traditionelle Ballettmatiné´e, finanziert aus ihrer Heinz-Bosl-Stiftung. Am Ende, was sonst, tosender Applaus.

Zu Beginn, einfühlsam von Pianist Aljoscha Zimmermann begleitet, "Klassenkonzert": das gesamte "Bosl"-Potenzial, von den kleinsten Ratten bis zur Oberstufe, mit Kostproben aus dem täglichen Training. In den Kulissen, so Vernon, sei es ein einziger aufgeregter Ameisenhaufen - der auf der Bühne jedoch mirakulös zu geometrischer Ordnung und anmutiger Präzision gezähmt ist. Ein paar klitzekleine Wackler geben dem Publikum zumindest eine Ahnung, wie hart Schüler und Lehrer um eine solche (nur scheinbar) mühelose Ästhetik kämpfen müssen.

Danach richtiges Bühnenfutter: "Vier kleine Schwäne" und "Vier große Schwäne" probten schon mal den großen Klassiker. In weiteren klassischen Variationen waren drei Hoffnungsträger zu bestaunen: der Sprung- und Dreh-Virtuose Denys Cherevychko, die technisch-tänzerisch brillante Natalia Vorontsova und die charismatische Carmen Nunes.

Und schön zu sehen, dass Kirill Melnikow, lange Jahre einer der markantesten Ersten Solisten des Staatsballetts und Merkur-Preisträger, sich nun als Pas-de-deux-Pädagoge profiliert: in einem von ihm einstudierten Jacobson-Pas-de-deux haben Arsen Azatyan und Ana Djordjevic die knifflig gedreht-geworfenen Hebungen ganz luftig-leicht hingekriegt.

Zum Abschluss neu für die "Bosls": Robert Norths wunderschön in Vivaldi-Musiken dahingleitendes "Musici Veneziani". Vom Solo bis zum Quintett - hier besetzt mit fünf schmetterlingsleichten Asiatinnen - und bis zu großer Gruppe, von getragen bis zu kolibrihaft belebt, vom klassischen Schritt bis zum Modern-Dance-Fluss und den so elegant eingewebten plastischen Martha-Graham-Floskeln ist diese Choreographie wie geschaffen für Vernons Studenten.

In ihrer aktuellen Modern-Dance-Hochform brauchen sie sich nicht vor der Nederlands Dans Junior Compagnie zu verstecken.

Nochmals 20. 11., 11 Uhr.

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