Der kleine Muck

Nelly Furtado: - Kylie Minogue ist anmutiger. Christina Aguilera hat mehr Energie. Und Madonna, die ist eh schon in den Popstar-Himmel aufgefahren. Ist da überhaupt noch ein Plätzchen frei im Herzen der Hörer für Nelly Furtado, den Spatz aus Toronto? Und ob. Wenn sie auch nicht die spezifischen Qualitäten ihrer Kolleginnen teilt, so ist die 28-Jährige doch ganz besonders eines: süß.

"Der nächste Song", sagt sie in der Mitte der Show, "ist nicht von mir. Aber ich singe ihn trotzdem." Dann kneift sie die Augen zusammen, dreht den Kopf zur Seite und kichert, als hätte sie gerade etwas ganz Freches gesagt oder etwas ganz Dummes. Wie süß. Dann singt sie "Crazy", den Hit des vergangenen Jahres von "Gnarls Barkley", und die Menge singt lauter als bei Furtados meisten eigenen Songs.

Die kommen selbstredend auch gut an: "Powerless" gleich zu Beginn oder die Ballade "All Good Things (Come to an End)". Im Zugabenteil tanzt sie sogar Mambo. Trotzdem: Die Präsenz des kleinen hübschen Persönchens geht kaum über dieses "süß" hinaus. Am Anfang steigt sie die weiße Showtreppe vor zwei überdimensionalen Palmen hinunter. Dabei trägt sie schwarze Pluderhosen, spreizt die Ellbogen nach außen und hält die Handrücken unters Kinn ­ ein kleiner Muck.

Für Remmidemmi sorgen in erster Linie die Begleitmusiker. Die HipHop-basierten neuen Stücke hält der Rapper Saukrates auf Trab. Er und die Background-Sängerin legen ein Soul-Fundament unter den tanzbaren Pop-Sound, der von einem Gitarristen mit Lenny-Kravitz-Optik zusätzlich angetrieben wird. Bei den flotten Songs funktioniert das prima, im obligatorischen Balladenteil, den Furtado nur zu Piano-Begleitung bestreitet, gehen einem die Entertainer allerdings schon sehr ab. Zumal die Stimme der schwarzhaarigen Frau alles andere als süß ist ­ in den hohen Lagen gar gefährlich an den Nerven zerrend. Aber dann sagt sie wieder kleine Nichtigkeiten wie "You‘re beautiful!" oder "I love you!", und allseits ist man sich einig: "Gott, ist die süß!"

Zumal, als sie bei der Fußball-Hymne "Fora" nicht nur ihre portugiesischen Wurzeln betont, sondern sich auch noch ein Trikot von Kicker Lukas Podolski überstreift. Sie hüpft damit herum wie ein Backfisch auf dem Schulhof, dann schnappt sie sich einen Filzstift und malt ein Herz um den Bundesadler. Spätestens jetzt steht fest: Es gibt einen Platz für Nelly Furtado im Herzen der Münchner.

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