Kleine Tipps, große Wirkung

- Hektisches Treiben überall, Türen knallen, Notenblätter fliegen umher, Instrumente werden gestimmt. Es herrscht Ausnahmezustand in den Gängen des Münchner Herkulessaals. Für zwei Tage haben sich hier 260 Nachwuchsmusiker aus ganz Bayern einquartiert, um ein Wochenende lang gemeinsam mit Mariss Jansons und den Musikern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks zu proben. Und um sich auf das große Abschlusskonzert vorzubereiten, bei dem viele von ihnen zum ersten Mal in den ehrwürdigen Mauern der Residenz auf der Bühne sitzen werden.

Der Schnee verkürzte die Probenzeit

Kantine und Garderoben bersten aus allen Nähten, und auch in den Treppenhäusern wuselt es, doch auf der Bühne selbst ist von Aufruhr keine Spur. Hier wird hochkonzentriert und professionell gearbeitet. Denn Profis, das wollen schließlich fast alle werden, ob sie nun im Orchester der Musikhochschule Würzburg oder dem Bayerischen Landesjugendorchester spielen.

Und selbstredend ist bei diesem Projekt auch die hauseigene Talentschmiede, die Akademie des BR-Symphonieorchesters, mit von der Partie. Immerhin wird Nachwuchsarbeit hier seit Jahren groß geschrieben. Auch und vor allem von Chefdirigent Mariss Jansons, der nun bereits zum zweiten Mal seit seinem Amtsantritt ein derartiges Konzert absolviert und sichtlich Spaß an der Arbeit mit den Jugendlichen hat.

Dass der viel beschäftigte Maestro am Tag vorher noch mit verspäteten Flügen und verschneiten Autobahnen zu kämpfen hatte, wodurch die knapp bemessene Probenzeit noch einmal verkürzt wurde, ist ihm nicht anzumerken. Jansons strahlt eine Ruhe und Sicherheit aus, die sich sofort auf die Musikerinnen und Musiker überträgt, die jedem seiner Ratschläge bedächtig lauschen. Hier etwas mehr Rubato, dort etwas weniger energisch. Oft sind es nur kleine Tipps, jedoch mit großer Wirkung, wie sich schon beim letzten Durchlauf vor dem großen abendlichen Auftritt zeigt.

Vorfreude und Lampenfieber

"Je besser das Orchester ist, desto mehr kann ich verlangen", sagt Mariss Jansons. "Ich merke sehr schnell, wenn eine Grenze erreicht  ist und  möchte  die jungen Musiker ja auch nicht dressieren. Viel wichtiger ist mir, dass sie sich ganz auf die Musik einlassen, ihre eigenen Emotionen einbringen und Freude am Musizieren haben."

Spaß an der gemeinsamen Arbeit mit den Profis, den scheint der Orchesternachwuchs auf jeden Fall zu haben, wenn man sich in der Kantine umhört. Hier wird nach der Probe noch lebhaft über die gesammelten Erfahrungen und das in wenigen Stunden anstehende Konzert diskutiert. Klar gibt es da auch Lampenfieber, aber am Ende überwiegt doch bei fast allen die Vorfreude.

Um die Zukunft seines Orchesters muss sich Mariss Jansons also wohl keine Gedanken machen. Und was die neue Generation der Konzertbesucher betrifft? Auch hierfür erhofft sich der Dirigent mit Aktionen wie dem Jugendwochenende neue Impulse. "Ich denke, dass sich das junge Publikum mit gleichaltrigen Musikern besser identifizieren kann und sich so auch möglicherweise vorhandene Berührungsängste mit klassischer Musik abbauen lassen." Ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal.

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