Christian Moser (1966–2013).

Neuerscheinung

"Kleine Ungeheuer": Christian Mosers letztes vollendetes Buch

  • schließen

München - „Kleine Ungeheuer“ ist Christian Mosers letztes vollendetes Buch. Darum geht es.

Um Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen: Christian Moser war kein Kinderhasser. Wer den Illustrator bei einem seiner Zeichenkurse für den Nachwuchs bei der Münchner Bücherschau oder dem Comicfest erlebt hat, weiß das. Doch als Philosoph und Erkunder des Zwischenmenschlichen (und das war der Münchner vor allem, wenn er am Zeichentisch saß), wusste Moser um die Dialektik des Alltags.

So misstrauisch wie Dracula dem Knoblauch begegnet manches Kind gesunder Ernährung. Steht dann aber etwas auf dem Tisch, was schmeckt, können die Manieren außerirdisch wie beim Alien werden. Foto/ Reproduktion: Carlsen

Eine seiner Erkenntnisse lautet also: „Kinder sind ein Geschenk des Himmels – und manchmal kleine Ungeheuer!“ Diesen ist nun jenes Buch gewidmet, das Mosers letztes geworden ist. Im August vergangenen Jahres verstarb der Künstler im Alter von 47 Jahren völlig unerwartet. Er hinterließ die vollständigen Zeichnungen sowie seine Textmanuskripte zu „Kleine Ungeheuer“. Im Carlsen Verlag, wo er seit 2006 eine Heimat für seine Comic-Biografien und vor allem für seine so erfolgreiche „Monster des Alltags“-Reihe gefunden hat, ist das Buch nun, wunderbar gestaltet, postum erschienen. Mit liebevollem, treffendem Strich und pointierten Sätzen beleuchtet Moser jene Momente, in denen die lieben Kleinen ihre Umwelt in einen Gruselfilm verwandeln. Dabei bedient sich der Autor und Zeichner munter bei der Popkultur: Da wird aus dem Bub an der Tür zum Klassenzimmer ein King Kong, der die Mama umklammert, oder, wenn’s ums Teilen von Süßigkeiten geht, Gollum aus den „Herr der Ringe“-Filmen: „Mein Schatz!“ So ist dieses Buch nicht nur komische Bestandsaufnahme des Grauens, das im Kinderzimmer wohnt, und Liebeserklärung an Mythen, Märchen, Blockbuster. Es ist auch eine Feier kindlichen Eigensinns – und den hatte sich Christian Moser zeitlebens bewahrt.

Christian Moser: „Kleine Ungeheuer“. Carlsen Verlag, 64 Seiten; 9,99 Euro.

Von Michael Schleicher

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Selbst der grausigste Tragödienbrocken bekommt bei Regisseur David Bösch etwas Verspieltes. Sein Nürnberger „Idomeneo“ überwältigt vielleicht nicht, wirkt aber trotzdem …
„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow
Belle and Sebastian verzaubern München: Beim ausverkauften Konzert der Glücklichmacher aus Glasgow in der Muffathalle galt einmal mehr: „Love is in the Air“.
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow
Schwere Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele
Den Tiroler Festspielen wird Ausbeutung, Lohndumping und Machtmissbrauch vorgeworfen. Mittlerweile hat Gustav Kuhns Festival Klage erhoben.
Schwere Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele
Martin Grubinger: Mit Musik gegen den braunen Sumpf
Martin Grubinger gastiert beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit einem Schlagzeugkonzert des Finnen Kalevi Aho. Musikalisches und Politisches fließen da …
Martin Grubinger: Mit Musik gegen den braunen Sumpf

Kommentare